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30. Oktober 2014
Maschinenzeitalter: Digitalisierung verändert nicht nur Industrie radikal

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Smarte Maschinen werden den Menschen schon bald bestimmte Aufgaben abnehmen. Egal ob „intelligente" Industriesysteme, persönliche Assistenten oder autonome Transportroboter: Diese Umwälzungen könnten unser Arbeits- und Privatleben künftig massiv beeinflussen, erklärten Experten bei einer Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community gestern, Donnerstagabend, in Wien.

 

„Die Entwicklungen im Bereich von Algorithmen, Hardware, Netzwerken und Big Data haben den Weg für intelligente Maschinen geebnet, die nun Arbeiten durchführen können, die bisher nur Menschen möglich waren. Das ist nicht mehr aufzuhalten", zeigte sich Peter Brandl vom Kompetenzzentrum evolaris überzeugt.

 

Einerseits gebe es autonome Transportroboter („Movers"), also etwa Drohnen, die Pakete zustellen, oder die selbstfahrenden Autos von Google. Andererseits die sogenannten „Doers", die komplexe Interaktionen mit kleinen Objekten beherrschen wie Haushaltsroboter. Die dritte Kategorie sind die „Sages": Darunter fallen informationsbasierte Assistenten, die mittels künstlicher Intelligenz Daten auswerten und Empfehlungen abgeben, verweist Brandl auf eine Einteilung der Marktforscher von Gartner.

 

Was die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf die Arbeitnehmer betreffe, existiere eine enorme Bandbreite von extrem pessimistischen bis zu durchaus optimistischen Perspektiven. „Tatsächlich werden Smart Machines einen großen Impact haben und viele Menschen davon betroffen sein. Aber es werden auch neue Jobs entstehen", ist der Experte überzeugt. Ziel sollte es sein, genauso viel Intelligenz in die umsichtige Nutzung der Maschinen zu investieren wie in deren Erfindung und Entwicklung.

 

Es habe auch in der Vergangenheit Entwicklungen gegeben, die große Änderungen mit sich brachten, verwies Brandl auf die bisherigen drei industriellen Entwicklungssprünge. Außerdem sollte man die sozialen Aspekte nicht außer Acht lassen, die bei dieser Entwicklung eine große Rolle spielen: „Nicht alleine die technische Machbarkeit wird über den erfolgreichen Einsatz von intelligenten Maschinen entscheiden, sondern Aspekte wie Gesetzeslage, Gewerkschaften oder Konsumentenverhalten", so Brandl.

 

Gesellschaft muss erst Spielregeln entwickeln

Tatsächlich habe es schon in den 1960er-Jahren Horrorvisionen bezüglich technologischer Innovationen gegeben, die auch nicht eingetroffen seien, ergänzte Andreas Kugi von der Technischen Universität (TU) Wien. Er sieht die Gesellschaft gefordert, Spielregeln zu entwickeln wie bei vielen bisherigen Entwicklungen auch, sagte er unter Verweis auf die Möglichkeit zur automatisierten Kriegsführung.

 

Durch die Automatisierung - Stichwort Industrie 4.0 - habe Österreich eine große Chance einerseits Industriebetriebe in Österreich zu halten, andererseits bestimmte Branchen sogar wieder ins Land zurückzuholen. „Die Bekleidungsbranche ist aber beispielsweise noch nicht so weit, weil da noch viel per Hand gemacht wird", so Kugi. Großes Potenzial bestehe auch bei Ressourcen- und Energieeffizienz. Hier könnten die Fabriken der Zukunft der europäischen Industrie neue Möglichkeiten eröffnen.

 

Die Frage sei, ob das Ausbildungssystem entsprechend aufgestellt ist, um die aktuellen Herausforderungen zu meistern. Ungelernte Arbeitskräfte würden es im Industriebereich jedenfalls schwer haben. „Automatisierung steht für nachhaltige Produktion, Wertschöpfung und Steigerung der Qualität des Arbeitsplatzes. Gleichzeitig fordert die Automatisierung eine höhere Qualifikation der Beschäftigten", erklärte der Experte.

 

Industrie 4.0 braucht gut ausgebildete Fachkräfte

„Der Anteil einfacher, manueller Tätigkeiten wird sinken. Im gleichen Maße steigt durch die Industrie 4.0 die Anzahl an neuen Berufen, wie etwa Datenwissenschafter und -analytiker", so Peter Wöhrer von Kapsch BusinessCom. Technologische Entwicklungen hätten auch in der Vergangenheit zu einem Beschäftigungsschub geführt. Die Voraussetzung dafür sei freilich, dass ausreichend qualifizierte, gut ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung stehen.

 

Wenn Österreich flexibel sei und sich auf Qualität konzentriere, könnte das Land durchaus einen Wettbewerbsvorteil aus dem Trend zur Individualisierung der Kundenwünsche - Stichwort Losgröße eins - ziehen. Wichtig sei, dass die Klein- und Mittelunternehmen (KMU) nicht den Anschluss verpassen. „Hier sollten wir gemeinsam im Netzwerk agieren. Da darf es kein Kompetenzgerangel geben", sagte Wöhrer, der auch für einen Zusammenschluss in Clustern eintritt.

 

Smarte Systeme helfen bei Entscheidungsfindung

„Der Arbeitsmarkt verändert sich laufend. Berufe sterben aus, aber gleichzeitig entstehen auch neue, wie Data Scientist oder App-Entwickler", gab sich auch Michael Scholl von IBM überzeugt. Die jetzt mögliche Verarbeitung von Daten in hoher Geschwindigkeit habe viele Möglichkeiten eröffnet. „Kognitive, selbstlernende Systeme wie das Computersystem ‘Watson‘ werden den Menschen in den kommenden Jahren dabei unterstützen, in der ungeheuren Menge an Daten die relevanten Informationen für ihre Entscheidungen zu finden", sagte Scholl.

 

Im onkologischen Bereich müsste sich ein Arzt beispielsweise 160 Stunden pro Woche fortbilden, um am neuesten Stand zu bleiben. „Watson" nutze die Möglichkeiten, „natürliche Sprache" - beispielsweise Text oder Sprache - verarbeiten zu können für die Erzeugung von Hypothesen und das evidenzbasierte Lernen. Dadurch erhielten Ärzte überhaupt erst Zugang zu diesem Wissen. Genutzt werde das bereits heute in Krankenhäusern in den USA und in Thailand.

27. November 2014
30. Oktober 2014
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