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31. Juli 2014
Crowdsourcing: Scheitern ohne sorgfältige Planung vorprogrammiert

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Crowdsourcing, also bestimmte Aufgaben an die Masse der Internetnutzer auszulagern, kann die Art und Weise, wie kreative Prozesse organisiert werden, revolutionieren. Dabei gibt es aber noch einige Hürden zu überwinden, erklärten Expertinnen und Experten gestern, Donnerstagabend, bei einer Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community in Wien.

 

„Um Ideenfindungen und Problemlösungen aus dem Internet effektiv nutzen zu können, bedarf es einer gezielten Strategie und sorgfältiger Planung", sagte Karl-Heinz Leitner vom Austrian Institute of Technology (AIT). Nur so könnten die Motivation der potenziellen Teilnehmer erhöht und mögliche Risiken eliminiert werden, denn „die Masse ist zum Teil unberechenbar und nicht immer weise". Die Eigentumsrechte seien teilweise unklar und der Aufwand, die eingebrachten Ideen auch wirklich umzusetzen, werde oft unterschätzt. Außerdem gebe es die Angst, Know-how preiszugeben und die F&E-Abteilung zu verärgern.

 

Große Chancen biete Crowdsourcing im Business-to-Consumer-Bereich, aber auch im Business-to-Business-Bereich, wenn es etwa um Forschung und Entwicklung gehe. Generell gelte, dass innovationsaffine Unternehmen profitieren können, „die anderen werden eher scheitern". Laut Leitner gehen fünf bis zehn Prozent der Projekte schief. Dass die Cloud die großen gesellschaftlichen Probleme lösen kann, sieht der Experte eher skeptisch. „Die Cloud macht die Welt aktuell weder friedlicher, noch ökologischer oder gesünder", so Leitner.

 

Crowdsprache in Firmensprache übersetzen

Auch Paul Lehner vom Mobilfunk-Marktführer A1 verwies auf die Bedeutung einer professionellen Herangehensweise und Planung. „Man muss sich rechtzeitig überlegen, ab welchem Zeitpunkt die Kunden eingebunden werden sollen, welche Methodik angewendet und wie das Feedback verarbeitet wird", so der Manager. Dazu brauche es Spezialisten, die „die Crowdsprache in Firmensprache übersetzen". Zu etwaigen Widerständen im Unternehmen meinte Lehner, dass ab einem gewissen Zeitpunkt auch intern die Vorteile, eine neue Quelle anzapfen zu können, gesehen werden.

 

Als Unternehmen vom Trend zum Crowdsourcing, Crowdfunding und zur Crowdscience zu profitieren, sei gar nicht so einfach, ergänzte Alf Netek von Kapsch: „Wenn wir uns nämlich ansehen, wo derartige Mechanismen wirklich gut funktionieren, dann erkennen wir schnell, dass sich die Crowd überall dort zusammenfindet, wo es nicht um Profite geht." Unternehmen würden trotzdem von der Crowd profitieren, wenn die Menschen einen mittelbaren oder unmittelbaren Nutzen für sich erkennen. Gut gemacht könnte eine Crowd auch zur Kundenbindung, als Vertriebskanal und zur Markenpflege genutzt werden.

 

Aufbau einer Community ist durchaus aufwändig

Wie schwierig es ist, eine eigene Crowd aufzubauen, strich Gert Breitfuß vom Kompetenzzentrum Evolaris hervor. Das bringe einen Aufwand mit sich, der insbesondere für Klein- und Mittelunternehmen (KMU) nicht so leicht zu bewältigen sei. „Das kann man nicht nebenher machen. Eine Crowd bindet Ressourcen und muss gemanaged werden", so Breitfuß. Es gehe dabei ums Betreuen, Rekrutieren der richtigen Personen, Incentivieren - schließlich will jeder anders belohnt werden -, Kommunizieren, Promoten etc. Alle diese Tätigkeiten seien wichtig und notwendig, um wirklich einen Nutzen aus der Crowd ziehen zu können.

 

Der Großteil der Firmen habe das Potenzial aber noch nicht erkannt, gab sich Daniel Scherling vom Softwarespezialisten Navax überzeugt. „Aktivitäten im Web beschränken sich oft darauf, die aktuelle Werbekampagne zu promoten. Echte Kommunikation, speziell auch Antworten auf Kritik, findet selten statt", so Scherling. Der Weg zu einem tatsächlichen Verwerten der generierten Informationen bzw. zur Einbeziehung der externen Experten sei noch ein langer. „Viele Firmen wissen ja gar nicht, wo ihre Crowd ist und ob das überhaupt die sind, die sie erreichen wollen. Und wenn sie mit der Crowd kommunizieren, dann oft ohne Strategie", erklärte der Manager.

 

Eigener Co-Creation-Manager als Koordinator

Man habe für die Einbindung von Kunden in Entwicklungsprozesse sogar einen eigenen Job geschaffen, betonte Cornelia Schöberl-Floimayr von der Erste Bank: Ein Co-Creation-Manager koordiniere alle Aktivitäten rund ums Thema. Über die Online-Plattform „s Lab" würden Kunden eingeladen, ihre Ideen einzubringen, Feedback zu geben und direkt mit Projektleitern zu diskutieren. Zusätzlich könnten eigene Ideen und Verbesserungsvorschläge gepostet, kommentiert und geliked werden.

 

„Die Probleme, die wir künftig lösen müssen, werden mehr Kooperation erfordern", wagte Schahram Dustdar von der Technischen Universität (TU) Wien einen Ausblick. Allerdings gelte es, Technologien zu entwickeln, die es ermöglichen, dass eine große Anzahl an Menschen zusammenarbeiten kann. „Vielleicht gehen daraus auch Technologien hervor, die die Kooperation der Unternehmen untereinander verbessern", so Dustdar. Derzeit seien Crowd-Projekte kaum in die Unternehmensprozesse eingebunden und die eigentumsrechtliche Situation häufig unklar. Außerdem müssten die Belohnungsstrukturen automatisiert und dynamischer werden, sieht er noch Nachholbedarf.


21. August 2014
31. Juli 2014
Crowdsourcing: Scheitern ohne sorgfältige Planung vorprogrammiert