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27. November 2009
Ein Jahr Rezession: IKT-Branche sieht Licht und Schatten

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Alles schlimmer als gedacht, oder doch eine Chance, die es zu nutzen gilt: Die Krise ist zwar auch in der IT- und Telekombranche angekommen, heimische Betriebe gehen aber durchaus unterschiedlich damit um, wie eine Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community gestern, Donnerstagabend, zeigte.

 

Die österreichischen IT-Leiter (CIOs) größerer Unternehmen haben Ende 2008 einen Rückgang ihres heurigen Budgets in Höhe von 10 Prozent prognostiziert, tatsächlich sind es 16 Prozent geworden. „Damit war die Entwicklung schlechter als gedacht", verwies Bernd Bugelnig von Capgemini auf das vorläufige Ergebnis einer Studie des Managementberaters. Rechneten Ende des Vorjahres noch 40 Prozent mit sinkenden Budgets, musste in der Realität die Mehrheit der befragten CIOs sparen: In der Privatwirtschaft waren es laut Erhebung 80 Prozent, im öffentlichen Bereich rund 40 Prozent.

 

Allerdings sehen die IT-Leiter die Krise nicht als „so großes Problem", sondern auch als Chance, ihr Image im Unternehmen zu verbessern. Sie positionieren sich stärker als Partner, der Unterstützung in schwierigen Zeiten bietet, so Bugelnig. Hatten die CIOs im Vorjahr noch erwartet, Projekte verschieben zu müssen (85 Prozent), so sei dies tatsächlich nur im Notfall passiert. Aktuell würde eher auf Neuverhandlungen von Lieferantenverträgen gesetzt (67 Prozent).

 

Pläne für die „Nach-Krisen-Zeit"

Manche Unternehmen hätten bereits die Pläne für die „Nach-Krisen-Zeit" in der Schublade und daher auch die IT-Budgets nicht reduziert, um sich nicht „selbst den Hals abzuschnüren". Dadurch könnten sie beim Aufschwung schneller mit neuen Produkten und Services am Markt sein und die derzeit vermehrt verfügbaren hochqualifizierten Mitarbeiter aufsammeln. „Die CIOs sehen die Chance, ihr Image als Kostenverursacher abzuschütteln und als wichtiger Faktor wahrgenommen zu werden", sagte der Experte.

 

Rückläufige Entwicklungen im Telekomsektor, die das Geschäftsfeld IT etwas bremsen, hat die Telekom Austria (TA) zu verzeichnen. Nach einem „punktuell gescheiterten Versuch", mit Themen wie Enterprise Resource Planning in diesen Bereich einzusteigen, sei die Konzentration auf Kommunikationsprozesse bzw. „Telekom-nahe Informationstechnologie" geglückt, so Jürgen Thir von der TA. Dadurch soll „der Verlust an Minuten und Anschlüssen aufgefangen werden".

 

Konvergenzlösungen bei KMU gefragt

Generell habe man „keine rosigen, aber auch keine schlechten Zahlen aufzuweisen", erklärte Thir. Auf die Preissensibilität von Kleinkunden und Privaten sei mit Konvergenzlösungen reagiert worden, weshalb sich die TA im KMU-Bereich sehr gut aufgestellt sieht. „Bei den Großunternehmen spüren wir zwar was, aber weniger als erwartet", sagte der Manager. Besonders die öffentliche Hand investiere in Zukunfts-Themen, in der Industrie- und Automobilbranche sei die Situation schwieriger.

 

In einigen Bereichen gebe es massive Einbrüche, im IT-Prozessmanagement sei davon aber nichts zu spüren, erklärte Christian Plaichner von der auf Automatisierung spezialisierten UC4 Software: „Man könnte behaupten, wir profitieren von der Krise." Derzeit würden sich zwei Kategorien von Firmen herauskristallisieren: Unternehmen, die die Krise als Chance sehen und investieren, und andere, die Projekte stoppen und abwarten. Erstaunlich stark sei die Nachfrage aus der Finanzwirtschaft.

 

Erlösquellen splitten sich auf

Auch in der Medienbranche steige die Anzahl der IT-Projekte, konstatierte Marcus Hebein von der APA - Austria Presse Agentur. Einen Grund dafür sieht er neben der Wirtschaftskrise in der schon vorher bestehenden Strukturkrise. „Die Erlösquellen splitten sich auf. Das eine und einzige Geschäftsmodell existiert nicht mehr", so Hebein.

 

Von der IT-Branche entwickelte Tools würden von den Konsumenten teilweise gänzlich anders genutzt, als erwartet. „Wir müssen uns Gedanken darüber machen, wie wir daraus Geschäftsmodelle entwickeln. Derzeit ist die Situation schwierig, aber vielleicht blicken wir in ein paar Jahren zurück und sagen: Das war die spannendste Zeit, die die Branche jemals erlebt hat", sagte Hebein.

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