„Ängstliche" Firmen in Österreich - Wunsch nach Konjunkturprogramm für IKT-Sektor - Warnung vor Erhöhung der Ist-Löhne
Die globale Wirtschaftskrise hat auch den IT-Sektor nicht ausgespart. Dennoch könnte der IKT-Bereich gerade in konjunkturell schwierigen Zeiten den Unternehmen massiv beim Sparen helfen, meinten Experten bei einer Veranstaltung der APA-E-Business-Community gestern, Donnerstagabend, in Wien.
Manfred Wagner, IT-Berater bei Capgemini Austria, betonte, dass Investitionen der Firmen zur Steigerung der Kosteneffizienz lediglich aus der Informationstechnologie getrieben werden können. Daher sei es Aufgabe der IT-Koordinatoren, hier die Aktivitäten zu verstärken. Um das Spannungsfeld zwischen Effizienz, Effektivität und Agilität zu überwinden, seien drei kritische Erfolgsfaktoren vonnöten. Zunächst müsse ein kurzfristiger Return on Investment (ROI) erreicht werden. Dies könne etwa mit Outsourcing (Auslagerung) oder Offshoring (Standortverlagerung) erfolgen. Der zweite Punkt ist die Konzentration auf den „business value", d.h. welcher Wert mit konkreten Maßnahmen verbunden ist. Das Ausrichten der IT an den Fachbereichen und der Strategie eines Unternehmens bildet laut Wagner den dritten Erfolgsfaktor.
Die IT-Unternehmen würden derzeit ihre Hausaufgaben machen, sprich überwiegend auf etablierte Lösungen setzen und auf diese aufbauen, stellte HP-Manager Wolfgang Egger fest. Außer im Mittleren Osten seien in allen Regionen weltweit Rückgänge zu verzeichnen. Generell würden die Betriebe derzeit das Potenzial der IT grob unterschätzen. Dabei könne dieser Bereich ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein, so Egger. Auch sei vielen Unternehmen noch immer nicht bewusst, dass man mit IT wesentliche Einsparungen, etwa bei der Energie-Effizienz, erzielen könnte.
Dass in der Branche wenig Bewusstsein für die konjunkturfördernden Potenziale des IT-Sektors vorhanden ist, beklagte auch Wolfgang Leindecker, Marketingdirektor von NextiraOne. Er äußerte den Wunsch nach einem Konjunkturpaket für den IT-Bereich, da vor allem die Ministerien ihre Investitionen deutlich zurückgefahren hätten. Möglichkeiten tun sich für Leindecker etwa in den Sektoren Bildung und Gesundheit auf: „IKT kann hier auch Krisengewinner sein." Chancen ortet er zudem bei Unified Communications (UC). Wenn man diese Technologie auf das Handy brächte, würde das den nächsten Wachstumsschub für die Branche bringen. Ebenso wichtig sei die Integration der Kommunikationsinfrastruktur (Sprache, Video, aber auch Voice over WLAN) in mobile Lösungen.
Für Christian Plaichner, Managing Director bei Senactive, könnte der ROI bei IT-Investitionen in sechs Monaten wirksam werden. Kritik übte er an der vorsichtigen Investitionspolitik vor allem der heimischen Unternehmen: „Mut kann man sich nicht kaufen." Lediglich Firmen, „die sich was trauen, werden Gewinner sein". In Österreich und Deutschland seien die Unternehmen derzeit vorsichtig bis „ängstlich", obwohl im IT-Servicebereich die Budgets noch da sind.
NAVAX-Geschäftsführer Oliver Krizek hielt fest, dass bereits seit längerem auf gleicher IT-Basis gearbeitet werde. Größere Projekte würden nach hinten geschoben, „kleine Themen boomen stärker". Momentan gehe es in Richtung erhöhtem Servicebedarf, neue Software wird laut Krizek kaum geordert. Rund um das Thema SaaS (Software as a Service) würden allerdings die Technologien langsam zu greifen beginnen. Dieses Geschäft sei krisenfest, da Mietmodelle abhängig von der wirtschaftlichen Lage der Unternehmen sind und jederzeit verändert werden könnten. Kritik übte er an einer möglichen Erhöhung der Ist-Löhne in der Branche. Für manche Unternehmen sei das ein „Kopfschuss".
Marc T. Stolte, Director Enterprise Sales bei Microsoft Österreich, stellte seinerseits derzeit einen „komischen Mix" zwischen Ländern und Branchen fest. Die USA würden im Wesentlichen auch in Zeiten der Krise weiter investieren, Europa stehe hingegen stark auf der Bremse. Der Trend hin zu Online-Plattformen sei ungebrochen. Deren Nutzung werde auch in die Firmen einziehen, glaubt Stolte. Er schränkte allerdings ein, dass die Führung eines Unternehmens nicht auf Facebook erfolgen könnte, hier seien erhöhte Sicherheitsvorkehrungen notwendig.
Zur Zukunft befragt, gaben die Experten nur vage Prognosen ab. Stolte ist mittelfristig optimistisch, „in sechs bis zwölf Monaten könnte die Krise überwunden sein". Berater Wagner erwartet hingegen ein Wachstum frühestens Mitte 2010. Prognosen wollte NAVAX-CEO Krizek nicht abgeben, allerdings werde „sich der gesamte IT-Markt ändern". Für NextiraOne-Vertreter Leindecker liegen die Chancen vor allem in den mobilen Lösungen, zudem würden private Technologien in die Unternehmen einziehen. Bis zum nächsten Aufschwung könnten aber bis zu fünf Jahre vergehen. HP-Experte Egger sieht Potenziale für neue Lösungen, daneben sollten sich die Unternehmen aber zusätzliche Kernkompetenzen aneignen. „Kunden sollten bei Innovationen mitziehen", forderte Senactive-Manager Plaichner. „Andere Unternehmen können weniger, verkaufen sich aber besser", nahm er auch andere Firmenbereiche in die Pflicht.