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21. November 2008
Tourismus 1.0 – Wer fürchtet sich vorm Internet?
Die Bereitstellung von Reiseinformationen im Web oder die Möglichkeit zur Online-Buchung des Urlaubs sind inzwischen weit verbreitet. Das Tourismusland Österreich hinkt aufgrund seiner mittelständischen Struktur, dem ausgeprägten „Besitzstandsdenken" und einer im internationalen Vergleich wenig ausgebauten IT-Infrastruktur aber noch hinterher. Die Folge ist eine Zweiklassengesellschaft in der Technologieanwendung. „Da sind die fortschrittlichsten und die rückständigsten Betriebe in einer Branche versammelt", erklärte Markus Lassnig von „e-Motion" bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der APA-E-Business-Community gestern, Donnerstagabend, in Wien.

 

Der Experte des von der Landesforschungsgesellschaft Salzburg Research geleiteten IKT-Kompetenzzentrums für die Tourismus-, Sport- und Freizeitindustrie sieht im Bereich E-Business vor allem

während des Urlaubs, also an Ort und Stelle, eine Lücke. Dabei würden künftig Smartphones, die sich „zum Schweizer Messer der Informationsgesellschaft" entwickeln, eine große Rolle spielen. „Teilweise fehlen noch die Geschäftsmodelle und Totalverweigerer wird es immer geben, aber grundsätzlich hat das Potenzial", gab sich Lassnig überzeugt. Beispiele dafür wären das Recherchieren von Öffnungszeiten, die Suche nach Ausflugszielen oder das Zurechtfinden in der Urlaubsregion durch Navigationslösungen.

 

Derzeit seien die Aktivitäten vor allem auf den Vertrieb - also E-Commerce - konzentriert. Hier verlaufe die Entwicklung evolutionär, weshalb von einem konstanten Wachstum auszugehen sei. Dadurch würden natürlich auch die klassischen Reisevermittler bedroht, „das braucht man sich nicht schönreden". So gut die Branche auch auf der Vertriebsseite aufgestellt sei, gebe es doch einigen Nachholbedarf bei der IKT-Infrastruktur, den internen Geschäftsprozessen und den lieferantenseitigen Aktivitäten.

 

„Grundsätzlich geht es dem heimischen Tourismus aber noch immer ausgezeichnet. Wir sprechen ja schon bei einer Auslastung von 'nur' 85 Prozent von schlechten Zeiten", ist Lassnig überzeugt. Woran noch gearbeitet werden müsse sei die Nachbetreuung der Gäste: Es gebe in Österreich ein starkes „Besitzstandsdenken", wobei Hoteliers, Skiverleiher oder Liftbetreiber das Wissen über die Kunden nicht teilen. Hier müsse man sich vernetzen, auch wenn sich das durch datenschutzrechtliche Fragen schwierig gestalte.

 

Aktuell komme es zu einer "Informatisierung" der gesamten Wertschöpfungskette, wenn beispielsweise RFID-Chips (Funketiketten) im Ski als Diebstahlschutz verwendet werden. Die nächsten größeren Entwicklungen erwartet sich Lassnig im Bereich Ticketing. Nachdem die Mitglieder des Luftfahrtverbandes  IATA seit Juni 2008 zu 100 Prozent auf E-Tickets umgestellt hätten, gehe der Trend nun zu Web- und Mobile-Check-in sowie Boardingkarten am Handy. Weiters komme es zu Verschiebungen am Pauschalreisemarkt, „aber nicht zu dessen Tod". Wichtige Themen seien auch Online-Suchbarkeit und -Buchbarkeit sowie die neue Informationsmacht des Konsumenten - Stichwort Web 2.0.

 

„Ob Hoteliers eine Webseite betreiben oder Online-Buchungen anbieten, können sie selbst entscheiden. Aber auf Bewertungsplattformen kommen sie dennoch vor", so Lassnig. „Manche fallen aus allen Wolken, wenn sie im Web kritisiert werden, sind beleidigt und reagieren dann auch ungeschickt." Hier mangle es teilweise am Bewusstsein, wie man damit umgehen muss. Andere wiederum würden diese Kanäle unglaublich professionell pflegen.

 

Viele seien durch die neuen Medien überfordert, weil klarerweise das Tagesgeschäft im Vordergrund stehe, ergänzte Rainer Friedl von der Agentur diamond:dogs. Dennoch müsse man sich damit beschäftigen. Er erwarte massive Auswirkungen durch Web 2.0, soziale Netzwerke und „User Generated Content". „Für jene Tourismusbetriebe, die ihre Märkte noch immer sehr traditionell bearbeiten, beziehungsweise noch immer nicht 100-prozentig fit für das Internet sind, brechen harte Zeiten an", so Friedl. Die Onlineportale dürften sich in den nächsten Jahren hingegen über ein deutliches Marktwachstum freuen.

 

„Dass einzelne Hoteliers jeden Tag alles durchackern, geht einfach nicht. Hier muss man sich regional zusammenschließen und gemeinsam vermarkten", sagte Waltraud Wiedermann, Geschäftsführerin von APA-DeFacto. Nur so komme es zu einer Professionalisierung der Branche. Teilweise habe man das noch nicht erkannt, aber verregnete Sommer und schneearme Winter würden dazu einen Beitrag leisten. Tourismusverantwortliche sollten sich außerdem stärker über aktuelle Trends und die mediale Aufmerksamkeit informieren: „Hat ein geplanter Kraftwerksbau Auswirkungen auf die Berichterstattung über die Region - und damit auch auf Gäste aus dem Ausland - und was hat das für Folgen für mich?"

 

Zweifel daran, dass die Zielgruppe schon so weit sei und die Chancen der neuen Technologien erkannt habe, meldete Christan Schober, Marketingleiter von der auf Kommunikationslösungen spezialisierten Kapsch BusinessCom an. Der Trend zu Wellness und Co. widerspreche nicht dem Bedürfnis, jederzeit Informationen aus dem Internet abrufen zu können, Nachrichten zu senden oder mobil zu kommunizieren. Technik im Hotel - beispielsweise "der Flatscreen im Designerschrank oder in der rustikalen Wandverkleidung" - seien inzwischen Standard. Als ideales Leit- und Informationssystem sieht Schober elektronische Displays, die tagesaktuell sämtliche Angebote im und um das Hotel anzeigen.

 

„WLAN im Hotelzimmer und Informationen zur Region einfach auf das Handy zu bekommen, sind für den Touristen von heute nichts besonderes mehr", gab sich Michael Brunner vom Systemintegrator NextiraOne Austria überzeugt. Hotellerie und Tourismusregionen seien hier gefragt, um vor Ort neue Kommunikationstechnologien zur Verfügung zu stellen und dem Gast (mobile) Services und spielerische Tools für einen abwechslungsreichen Urlaub 2.0 zu ermöglichen.

 

Die Touristiker müssten außerdem individuellere Angebote schnüren, denn die Zeit von Zielgruppen wie „Familie" oder „Senioren" sei vorbei, erklärte Markus Linder, Geschäftsführender Gesellschafter von Smart Information Systems. Gute Dienste werde dabei das Semantic Web leisten. Events, die man beispielsweise im „Firmen A-Z" der Wirtschaftskammer veröffentliche, könnten so auf eine Vielzahl von anderen Plattformen übernommen werden. Das sei einerseits sehr einfach für die Ankündiger und andererseits biete es für Tourismusbetriebe die Möglichkeit, auf ihrer Website automatisch Veranstaltungen in der Umgebung anzuzeigen.


Sowohl online als auch im mobilen Bereich seien zahlreiche innovative Angebote vorhanden. „Was fehlt sind vertrauensbildende Maßnahmen, die den Gästen die Scheu nehmen, diese ‘neuen Medien‘ auch zu nutzen, ergänzte Erwin Vacek vom auf mobile Dienste spezialisierten Lösungsanbieter Dimoco. Das Beispiel SMS-Lifttickets zeige, dass es viel Überzeugungskraft koste, den Gäste die Vorteile neuer mobiler Anwendungen näher zu bringen - „dann aber bleiben sie dabei". Interessanterweise würde hier nicht die Gruppe der bis 29-Jährigen zu den intensivsten Nutzern zählen, sondern die 40plus-Generation.

Vortragender: Dr. Markus Lassnig
e-Motion - IKT-Kompetenzzentrum für die Tourismus-, Sport- und Freizeitindustrie
Salzburg Research Forschungsgesellschaft m.b.H.

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