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29. August 2008
Licht und Schatten in der heimischen Softwarebranche

Neue Chancen durch die sich rasch ändernde Wirtschaftswelt, aber auch stärkere Konkurrenz aus Billiglohnländern werden der österreichischen Softwareindustrie in nächster Zeit einiges abverlangen, waren sich Experten bei einer Veranstaltung der APA-E-Business-Community gestern, Donnerstagabend, in Wien einig.

 

"Die Eigenleistung der IT-Abteilungen im Bereich der Softwareentwicklung sinkt in den kommenden fünf Jahren von derzeit 32 Prozent auf 25 Prozent. Rund 75 Prozent werden dann zugekauft. Denn die Industrialisierung der Informationstechnologie hat sich in den Köpfen etabliert", erklärte Bernd Bugelnig vom Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen Capgemini.

 

Zu einem härteren Wettbewerb würde vor allem die Auslagerung in Billiglohnländer beitragen. "Die Inder warten nicht, bis wir zu ihnen kommen, sie kommen zu uns", so Bugelnig. Große IT-Dienstleister wie Wipro, Tata oder Infosys hätten ihre Fühler schon nach Europa ausgestreckt und seien inzwischen regional herangerückt. "Durch die angestrebte Kundennähe nimmt die Konkurrenz zu", gab sich der Berater überzeugt.

 

Das Auslagern der Entwicklungstätigkeiten berge aber auch Risiken. Mangelnde Softwarequalität, Termintreue und Reaktionsschnelligkeit sowie kulturelle Unterschiede und Schwierigkeiten bei der Kommunikation könnten manche Projekte ins Wanken bringen. Andererseits seien durch Outsourcing interne Umschichtungen im IT-Budget möglich, wodurch mehr Geld für Innovationen zur Verfügung stehen würde. "Aber auch in Billiglohnländern werden früher oder später die Kosten steigen, das haben wir ja auch in Osteuropa erlebt", so der Experte.

 

Beim Outsourcing gehe es allerdings nicht nur um den Preis, sondern auch um die Ressourcen. "Kurzfristig ein Team von 250 Personen aufzustellen geht in Indien mit einem Fingerschnipp. In Österreich wäre das sehr schwierig", sagte Bugelnig. Außerdem würden auch Länder wie Vietnam, das mit einer sehr guten technischen Ausbildung punkten könne, Marokko, China und Mexiko schon in den Startlöchern scharren.

 

Auch Wilfried Seyruck, Geschäftsführer des oberösterreichischen Outsourcing-Anbieters Programmierfabrik und Fachgruppenobmann Unternehmensberatung und Informationstechnologie der Wirtschaftskammer Oberösterreich, sieht das Ressourcen-Problem als Herausforderung für die heimische Softwarebranche. "Rund 34 Prozent der Entwicklungsfirmen müssen durch den Mangel an Fachkräften Projekte verschieben. Die Betriebe siedeln sich aber dort an, wo es Rohstoffe gibt. Und der wichtigste 'Rohstoff' für die Entwicklung von Software ist der gut ausgebildete Mensch", erklärte Seyruck. Durch diese Entwicklung drohe eine Abwanderung von Betrieben und die Verlagerung von Kernkompetenzen ins Ausland.

 

"Auch wenn indische Fachkräfte näher an uns heranrücken, wird oft gewünscht, dass ein lokaler Anbieter das Entwicklungsprojekt steuert", relativierte Ernst Lieber vom Softwareberater Anecon. Außerdem könnten die Volkswirtschaften - etwa in Osteuropa - bald selbst Probleme bekommen, weil der Bedarf auch dort ständig zunehme. "Für unsere Projekte werden wir sie dann nicht mehr bekommen", prognostizierte Lieber. Grundsätzlich begrüße er Änderungen, da eine rasante Dynamik in allen Wirtschafts- und Lebensbereichen der Hauptimpuls für Hochkonjunktur in der Softwarebranche sei.

 

"Ressourcen werden immer kurzfristiger gebraucht. Wenn im Inland keine vorhanden sind, greifen wir auf internationale zurück", sieht Michael Kral vom Softwarespezialisten Navax Consulting die Situation eher pragmatisch. Eine weitere Möglichkeit sei die Rekrutierung junger Hochschulabgängerinnen und -abgänger. Obwohl Fachkräftemangel, Wettbewerbs- und Kostendruck auch in Österreich zunehmen würden, erlebe die Softwareindustrie einen stetigen Aufschwung. Ein Grund dafür sei, dass nach den großen Unternehmen nun auch kleine und mittelständische Betriebe an der Anpassung von Standardsoftware an die internen Prozesse interessiert wären.

 

Beim Outsourcing gehe zum Teil das Know-how über das eigene Produkt verloren, auch wenn sich dieser Effekt erst nach zwei bis drei Jahren einstelle, sagte Harald Lakatha, Geschäftsführer des Softwareanbieters IT Solution. "Die Auslagerung etwa nach Indien kann vernünftig sein. Aber in den wenigsten Fällen - meist bei größeren Organisationen mit entsprechenden Strukturen - bleibt den Unternehmen unterm Strich eine Einsparung übrig", so Lakatha.

 

Die Zeitdauer bis zur Nachbesetzung einer Position habe sich verdoppelt, beklagte Markus D. Hartbauer vom Systemhaus SER Solutions. Nun müsse daran gefeilt werden, das Berufsbild zu verbessern. Denn wegen der durchlässiger werdenden Arbeitsmärkte - besonders in Hinblick auf die neuen EU-Mitgliedstaaten - sei die Konkurrenz für die heimischen Arbeitnehmer gestiegen. Die Software-Industrie müsse sich von der Programm-Entwicklung zur Plattform-Entwicklung wandeln, um durch Multiplikatoren und internationales Venture Capital "am richtig großen Kuchen mitzunaschen".

Vortragender: DI Bernd Bugelnig
Capgemini Consulting Österreich
Technology Services / Head of Development & Integration

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