24. Oktober 2014, 11:13
Microsoft startet stark ins neue Geschäftsjahr
Der US-Software-Riese Microsoft kommt bei seiner Erneuerung voran. Im ersten Quartal sprang der Umsatz im Jahresvergleich um ein Viertel ...
23. Oktober 2014, 12:08
Nokia mit deutlichem Umsatzplus
Der finnische Telekommunikationskonzern und ehemalige Handy-Weltmarktführer Nokia hat am Donnerstag ein durchwachsenes drittes Quartal ...
23. Oktober 2014, 11:18
Telekom nach drei Quartalen tief in Verlustzone
Die teilstaatliche Telekom Austria, Tochter der mexikanischen America Movil, hat im dritten Quartal 2014 zwar wie erwartet ein deutlich ...
24. Oktober 2008
Experte: Unternehmen müssen mit Web 2.0 umzugehen lernen
 

Der Mythos der „Net Generation" und der aktuelle Hype um das Thema sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass mit der Einführung von Web 2.0 im Unternehmen massive Herausforderungen auf die Betriebe zukommen, erklärte Josef Herget, Leiter des Zentrums für Wissens- und Informationsmanagement an der Donau-Universität Krems, bei einer Podiumsdiskussion gestern, Donnerstagabend, im Rahmen der APA-E-Business-Community in Wien.

 

Derzeit werde der Informationsflut viel Aufmerksamkeit gewidmet, was manche auch zur Einschätzung veranlasse, dass es sich bei der stark gestiegenen Online-Kommunikation um „Terror 2.0" handle. Die dadurch eintretenden Produktivitätsverluste seien tatsächlich enorm: „Es entsteht massiver Schaden, weil wir nicht gelernt haben, damit umzugehen", so der Experte. Und das sogenannte Web 2.0 potenziere dieses Problem noch.

 

Mitarbeiter würden sich laut Studien im Durchschnitt alle elf Minuten von ihren eigentlichen Aufgaben - etwa durch eingehende E-Mails - ablenken lassen. Einer anderen Erhebung zufolge werden nur 25 Prozent der Arbeitszeit produktiv genutzt, 28 Prozent entfallen auf Unterbrechungen durch nicht dringende oder unwichtige Ereignisse. Für Besprechungen werden 20 Prozent der Zeit aufgewendet, Denken und Reflektieren machen hingegen nur 12 Prozent aus. Rund 15 Prozent entfallen auf die Informationssuche.

 

Eine Möglichkeit, dieser Entwicklung entgegenzuwirken, seien Vormittage, an denen E-Mails und Telefonate verboten sind. „Dann kommt es wieder zu persönlichen Treffen. Das haben wir kulturell so schnell verlernt." Wer sich nicht für zwischenmenschlichen Austausch Zeit nehme, werde im Informationsinfarkt enden.

 

Bei Web 2.0 im Unternehmen gehe es nicht um Technologien, sondern um eine Verhaltensänderung beziehungsweise die Änderung der Unternehmensphilosophie. Charakteristisch dafür seien flache Hierarchien, stärkere Selbstorganisation, dezentrale Planung und das Ersetzen der Kontrolle durch Führung. Das Unternehmen 2.0 konzentriere sich auf die Talente der Menschen und unterstütze deren Vernetzung und Organisationsfähigkeit. Die Manager sind dabei Vorbilder und Impulsgeber, Vertrauen und Loyalität werden zu Pfeilern des Unternehmens.

 

Gleichzeitig werde gegenwärtig „der Marketingslogan 'Net Generation' oder 'Digital Natives' überstrapaziert. Nur die wenigsten Jugendlichen und jüngeren Mitarbeiter - Schätzungen belaufen sich auf vier Prozent - würden sich aktiv an Web-2.0-Diensten beteiligen. „Wer jünger als Jahrgang 1981 ist, hat die neuen Technologien in den Genen, alle anderen müssen noch Bedienungsanleitungen lesen", lautet Herget zufolge eine weit verbreitete Fehleinschätzung.

 

Das firmeninterne Web 2.0 stehe noch in den Startlöchern, was aufgrund der geringen Erfahrung auch nicht verwunderlich sei. Als Treiber sieht Herget die Globalisierung, durch die Kommunikation und Austausch eine höhere Bedeutung zukomme, bei einer gleichzeitig angestrebten Kundennähe. Außerdem würden Anwendungen, die man ursprünglich vor allem privat verwendet hat, zunehmend auch beruflich eingesetzt. In Branchen, in denen ein schneller Innovationszyklus und die internationale Vernetzung gefragt seien, werde die Entwicklung rasant in Richtung Web 2.0 gehen.

 

„Die ‘Net Generation‘ lebt und arbeitet zwar wirklich anders, wir müssen aber alle Generationen abholen", ergänzte Michael Bartz, Leiter des Geschäftsbereichs Information Worker bei Microsoft Österreich. „Wir leben und arbeiten in einer Melange aus Foren und Plattformen, wobei kaum mehr zwischen privat und beruflich unterschieden wird", so der Manager. Die Herausforderung sei, das Kommunikationsverhalten so zu verändern, dass dieses komplexe Beziehungsgeflecht auch produktiv genutzt werden könne. „Die Mitarbeiter werden bloggen, ob es erlaubt ist oder nicht. Deshalb müssen die Unternehmen Rahmenbedingungen schaffen, um davon auch zu profitieren", ist Bartz überzeugt.

 

Alois Schrems, Public Affairs Manager bei der Telekom Austria, sieht den Übergang von Web 1.0 auf Web 2.0 evolutionär und nicht revolutionär verlaufen. „Wer eine neue Firma mit jungen Mitarbeitern gründet, kann uneingeschränkt Web-2.0-Anwendungen verwenden. Interaktivität und Schwarmkreativität sind da keine Fremdworte. Man soll aber nicht das Kind mit dem Bade ausschütten, da sich dadurch auch datenschutzrechtliche Probleme ergeben können", berief sich Schrems auf aktuelle Fälle.

 

Die Vorteile der persönlichen Kommunikation strich Oliver Krizek, Chef der Navax Consulting AG, hervor. „Teilweise wird den Web-2.0-Werkzeugen eine zu große Bedeutung zugemessen. Die Gefahr ist extrem groß, dass man sich nur mehr mit sich selbst beschäftigt, anstatt die Zeit zum Vorteil der Kunden zu nutzen", sagte Krizek. Führungskräfte würden beispielsweise mit einem Weblog den einfachsten Weg gehen, anstatt sich wirklich in den Kommunikationsprozess einzubringen. Andererseits sollten Betriebe, die sich tatsächlich in Richtung Web 2.0 ändern wollen, es aber nicht schaffen, „ihr Management austauschen", ist der Geschäftsführer überzeugt.

 

Eine schleichende Migration zur verstärkten Kommunikation und Zusammenarbeit ortet auch Matthias Zach von NextiraOne Austria. „Wenn die Betriebe keine entsprechenden Lösungen anbieten, wird es trotzdem gemacht." Bei der mobilen Nutzung von Web 2.0 führe der Wildwuchs an Endgeräten zu Problemen. „Standardgeräte würden die Möglichkeit bieten, das Unternehmen 2.0 aufs Handy zu bringen", so Zach. Allerdings müsste noch an der Sicherheit gearbeitet werden.

 

Vortragender: Prof. Dr. Josef Herget
Head of Center for Knowledge and Information Management
Danube University Krems / Donau-Universität Krems
30. Oktober 2014
26. September 2014
Content Marketing & Co: Wie man heute Kunden erreicht