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26. Jänner 2012
Experten: Open Data wird nur langsam erwachsen

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Der freie Zugang zu Verwaltungs- bzw. anderen öffentlichen Daten - Stichwort Open Data - könnte sich zum Innovationsmotor entwickeln und ein gesamtwirtschaftliches Potenzial in Milliardenhöhe bergen. Allerdings scheint es bisher eher erste Gehversuche als einen gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Lauf in diesem Bereich zu geben, resümierten Experten bei einem Event der APA-E-Business-Community gestern, Donnerstag, Abend in Wien.

 

„In Österreich befinden wir uns in der Phase der Bewusstseinsbildung. Ein wichtiger Schritt ist nun, durch eine nationale und internationale Zusammenarbeit eine kritische Masse zu erreichen. Dann ist vieles möglich" erklärte Martin Kaltenböck von der Semantic Web Company. In Österreich sei ein nationales Open-Data-Portal in der Planungsphase, ab 2013 soll es auch eine paneuropäische Zusammenarbeit der EU-27 geben.

 

Zwar werde Open Data langsam erwachsen. Nach den zahlreich erfolgten Datenfreischaltungen müsse nun aber konzentriert an den erfolgskritischen nächsten Herausforderungen gearbeitet werden. „An oberster Stelle steht dabei die Hebung des postulierten ökonomischen Potenzials", so Kaltenböck. Schließlich gebe es für die Wirtschaft große Chancen durch die Verbindung von offenen Daten mit ihren eigenen.

 

Geschäftsmodelle noch Mangelware

„Derzeit geht es bei den freigegebenen Daten noch um Standorte von Toiletten oder die Ausstattung  von Kinderspielplätzen, woraus sich nicht unbedingt die großartigen Geschäftsmodelle ergeben", ergänzte Robert Bodenstein von der Wirtschaftskammer Österreich (WKO). Größeres wirtschaftliches Potenzial ortet er beispielsweise darin, die Unternehmenssoftware mit offenen Daten anzureichern und daraus Vorteile zu lukrieren - etwa wenn aktuelle Baustellen ins Fuhrparkmanagement miteinbezogen werden. „Davon sind wir aber noch einen großen Schritt entfernt", sagte Bodenstein.

 

Die Frage, ob durch das Zusammenführen von anonymisierten Daten nicht doch wieder Rückschlüsse auf Personen möglich sind, warf Johannes Juranek von CMS Reich-Rohrwig Hainz Rechtsanwälte auf. „Wenn es um anonyme Daten geht, ist das Thema Open Data juristisch nicht sehr ergiebig. Werden aber aus anonymen Daten persönliche gemacht, muss man sich damit beschäftigen", gab Juranek zu bedenken. Außerdem könnten, wenn Daten frei zugänglich gemacht werden, Rechte des geistigen Eigentums außer Kraft gesetzt und der Datenschutz ausgeschaltet werden.

 

„Schluss mit der Geheimniskrämerei"

„Wir sollten Verwaltungsdaten einfach veröffentlichen und abwarten, was passiert. Das ist der nächste Schritt in der Öffnung unserer Gesellschaft", forderte hingegen Peter Sempelmann vom WirtschaftsBlatt. Er sei der Meinung, dass von öffentlichen Stellen gesammelte Daten auch der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden sollten. „Diese Daten lassen sich für einen gesellschaftlichen Mehrwert einsetzen. Und wenn davon auch noch die heimische Wirtschaft profitieren kann, umso besser. Schluss mit der Geheimniskrämerei", so Sempelmann.

 

Die Verfügbarkeit von Daten habe auch eine neue Form des Journalismus hervorgebracht - die des Datenjournalismus, erklärte Robert Varga von APA-MultiMedia. Der „Guardian" trage dem schon seit längerem durch ein eigenes Ressort Rechnung. Allerdings müsse man sich gut überlegen, was man mit den Daten mache. „Zum Teil sind sie eher langweilig, wenn man sie in Textform verarbeitet. Eine Karte zum Reinzoomen bis auf die regionale Ebene, was etwa Verkehrssicherheit oder Mietpreise betrifft, kann hingegen sehr spannend sein. Wir müssen uns daher mehr mit Visualisierung befassen", so Varga.

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