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27. April 2012
Experten sehen heimische Start-up-Landschaft im Umbruch

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Der Mangel an Kapital und ein soziales Umfeld, das nicht gerade von Risikobereitschaft geprägt ist, machen den österreichischen Start-ups das Leben schwer. Allerdings gibt es erste Fortschritte und auch die etablierten Großunternehmen beginnen am Innovationspotenzial der aufstrebenden Jungunternehmer Interesse zu zeigen, gaben sich Experten gestern, Donnerstagabend, bei einer Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community in Wien überzeugt.

 

Neben den in Europa „herausragenden New-Economy-Zentren London, Berlin und Dublin" sieht Andreas Tschas von der Initiative STARTeurope, die potenzielle Gründer, Unternehmen und Investoren vernetzen will, vor allem Amsterdam, Kopenhagen und Wien „am aufstrebenden Ast". Es gebe gut ausgebildete Leute mit guten Ideen. Außerdem nehme Wien als Brücke zwischen Ost und West eine sehr wichtige Rolle ein und könnte sich als internationaler Start-up-Hotspot etablieren.

 

Allerdings liege man beim Zugang zu Kapital zurück, „bis vor kurzem gab es da praktisch nichts", spielte er auf den erst im Vorjahr gegründeten Risikokapitalfonds Speedinvest an. Ausschlaggebend für das Erreichen einer kritischen Masse sind laut Tschas makroökonomische Faktoren wie Arbeitslosenrate oder eine Kultur des Wandels, Faktoren à la Steuerniveau bzw. Lebenshaltungskosten, politische Maßnahmen rund um Ausbildung und Bürokratie sowie das Vorhandensein von „Pionieren". Dadurch würde das Unternehmertum attraktiver. „Gerade in herausfordernden Zeiten wie diesen braucht es Entrepreneure mehr als je zuvor", so Tschas.

 

Finanzierung bleibt Hauptproblem

„Gegenseitiges Gratulieren ist ja in Ordnung, aber jetzt müssen wir weiter kommen", warf Oliver Holle von Speedinvest ein. In Österreich sei noch lange keine kritische Masse bei der Finanzierung von Start-ups im Web- bzw. mobilen Bereich erreicht, „es ist einfach zu wenig Kohle da". Außerdem werde man auch bei einer Investition von zehn Mio. Euro in fünf Firmen noch nicht wirklich wahrgenommen.

 

Insgesamt vertrage Österreich ein drei- bis viermal so hohes Volumen, schließlich seien von 250 überprüften Projekten 30 als interessant eingestuft worden. Er ortet aber eine grundsätzliche Bereitschaft zum Investieren: „Wir haben im Rahmen des Fundraising in knapp fünf Monaten rund 300 Gespräche geführt. Die Hälfte war interessiert, was auf eine große Zahl an potenziellen Business Angels schließen lässt. 32 haben letztendlich investiert."

 

Entscheidend für die Entwicklung in Österreich sei, dass man „jedes Jahr drei, vier oder fünf erfolgreiche Exits schafft. Wenn diese Unternehmer wieder in Start-ups investieren, kommt der Kreislauf in Schwung. Dann folgen die Privatinvestoren und irgendwann vielleicht auch die Banken", so Holle. Was sich ändern müsse sei, dass man „Exit" in Österreich noch immer als „dreckiges Wort" sehe, weil ein solcher, auch volkswirtschaftlich betrachtet, gut sei.

 

Auf ins Silicon Valley?

„Auch wir schämen uns nicht erfolgreich verkauft zu haben", stimmte Alexander Igelsböck vom Start-up-Inkubator i5invest zu. Die Standortfrage sieht er eher gelassen. Man könne in und auch aus Österreich heraus international sehr erfolgreich sein - dies würden hunderte Unternehmen jeden Tag beweisen. Den Trend, zum Unternehmensgründen ins Ausland zu gehen, beurteilt Igelsböck differenziert: „Wenn man zu Hause kein Netzwerk hat und kein Kapital bekommt - trotz Heimvorteil - wieso sollte man dann beispielsweise im Silicon Valley Erfolg haben?"

 

Die größte Hemmschwelle in Österreich sei im Moment die Angst vor dem Scheitern. Dies gehöre aber dazu. Die wichtigsten Entscheidungen bei der Gründung würden Mitgründer, Team und Mentoren betreffen, was auch den Zugang zu Unterstützung und Kapital maßgeblich ermöglichen bzw. vereinfachen könne. Für alteingesessene Firmen sei es schwierig Innovationen im Internetbereich zu generieren. Hier könnten sich Start-ups als Innovationstreiber beweisen.

 

Medien investieren in neue Bereiche

Ein offenes Ohr habe man diesbezüglich bei den Medien vorgefunden, ergänzte Holle: „Die sind als erste aufgesprungen, weil sie wissen, dass es nicht ewig so weitergehen wird, für die ist das überlebenswichtig." Man habe sich lange zurückgehalten, „in exotische Sachen abseits des Kerngeschäfts zu investieren. Aber es besteht Handlungsbedarf, in neue Bereiche reinzugehen und Geld in die Hand zu nehmen", bestätigte Christian Buchsteiner von der Styria Media Group, die mit Speedinvest kooperiert.

 

Derzeit bestehe mehr Nachfrage, als Kapital am Markt sei. „Für uns ist es eine spannende Zeit. Dramatische Veränderungen stehen an. Heute braucht man Unternehmer, keine Verwalter", sagte Buchsteiner. Ziel sei, Kooperationen mit Gründern einzugehen. „Wir möchten gemeinsam mit Entrepreneuren spannende Ideen hochziehen, indem wir die Assets unserer Gruppe in diese gemeinsamen Unternehmen und Projekte einbringen", so der Manager.

 

Junge, unternehmerisch denkende Personen mit traditionellen Firmen zusammenzubringen, berge große Chancen, pflichtete Jungunternehmer Alexander Oswald bei. Allerdings fehle es noch an entsprechenden Schnittstellen. Grundsätzlich sieht er noch viele „bewahrende Strukturen" in Österreich. An einer Fachhochschule etwas präsentieren zu müssen, rufe bei vielen Studenten noch einen Schock hervor. Das setze sich in den Unternehmen fort, ortet er einen Mangel an vermitteltem Selbstbewusstsein.

 

Konservatives Umfeld hemmt Innovation

Die Österreicher seien nicht gerade mit Unternehmer-Mentalität gesegnet, sagte Rainer Haberl von headingforparty, einem auf die Vernetzung von Feierwilligen spezialisierten Start-up. Man müsse aber Risiken eingehen, außerdem sei das soziale Umfeld bzw. die Unterstützung ebenso wichtig wie das berufliche Netzwerk. „Je konservativer, engstirniger und Sicherheits-affiner das Umfeld des jungen Unternehmers ist, desto schwieriger wird es für ihn oder sie, das Vorhaben in den schwierigen Zeiten durchzuziehen", so Haberl.

„In Österreich haben wir ein strukturelles Problem, weil es an Kapital und Kultur fehlt. Hier muss ein Umdenken stattfinden", forderte auch Markus Roth von der Jungen Wirtschaft. Neben den gerade in der Gründungs- und Wachstumsphase benötigten finanziellen Mitteln stelle die Wahl der richtigen Gesellschaftsform einen wesentlichen Bestandteil für einen erfolgreichen Start dar. Eine zeitgerechte Form der GmbH wäre längst fällig, um auch im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, forderte Roth.

 

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