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11. Juni 2012
Experten: Maschinen-Kommunikation bringt Innovationsschub

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Die Vernetzung unseres Alltags - vom Energiebereich über das Gesundheitssystem bis hin zu digitalen Gadgets im Haushalt - wird zu einem Innovationsschub führen und neue Anwendungsgebiete hervorbringen. Noch gibt es aber zahlreiche Hindernisse auf dem Weg zum automatisierten Informationsaustausch zwischen Maschinen, erklärten Experten bei einer Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community gestern, Donnerstagabend in Wien.

 

„Das Thema kommt unaufhaltsam auf uns zu, die Maschinen beginnen sich zu vernetzen", so Helmut Leopold von der Forschungseinrichtung Austrian Institute of Technology (AIT). Abseits von Geschäftsmodellen gehe es dabei vor allem darum, die großen gesellschaftlichen Herausforderungen - Sicherheit, Umwelt, Gesundheit, Energie und Mobilität - zu meistern.

 

Eine intelligente Verkehrssteuerung würde beispielsweise mehr CO2 sparen als die bis zum Jahr 2030 entstehende E-Fahrzeugflotte. Im Energiebereich seien „smarte" Netze erst der Anfang auf dem Weg zu einem besseren Energiemanagement. Und die vernetzte Sensorik - etwa Videokameras - würde die durch den steigenden Verkehr unausweichlichen automatischen Grenzkontrollen ermöglichen.

 

Durch diese Entwicklungen entstehe ein neues Öko-System. „Wenn wir hier nicht aktiv werden, hinken wir im globalen Wettbewerb hinterher bzw. überlassen alles Google und Co", befürchtet Leopold massive Auswirkungen auf den Standort Österreich. Der Einsatz dieser Technologien berge aber „höhere Risiken und mehr Sicherheitsprobleme bei größeren Auswirkungen". Hier seien nicht nur Forschung & Entwicklung gefragt, sondern auch die entsprechende Gestaltung der Rahmenbedingungen durch Industrie, Politik und Gesellschaft.

 

„Fakt ist: Vernetzung passiert - überall"

„Dass Maschinen automatisch miteinander kommunizieren, ist an sich nichts Neues - insbesondere im Flottenmanagement und bei der Industrieautomation", ergänzte Wolfgang Leindecker von Kapsch CarrierCom. Jetzt werde das Thema zum Hype, weil es „eine Demokratisierung dieser Anwendungen" gebe. Durch das Aufbrechen der Silo-Lösungen und die sinkenden Kosten sei die Hemmschwelle für einen Einstieg deutlich gesunken. Starke Auswirkungen erwartet Leindecker beispielsweise im Bereich „Smart Cities". Das stetige Wachstum der Städte werde zu einem massiven Bedarf an Machine-to-Machine (M2M)-Kommunikation führen. „Fakt ist: Vernetzung passiert - überall", so der Experte.

 

„Langfristig wird das meiste, das elektrisch bzw. elektronisch betrieben wird, vernetzt. Da sollte man der Phantasie keine Grenzen setzen", geht auch Bernd Liebscher von der Telekom Austria Group M2M von einem starken Wachstum aus. Erstens sei die Technologie reif und der Preis auf einem vernünftigen Niveau. Zweitens gebe es neue Geschäftsmodelle, etwa wenn Geräte selbstständig melden, dass sie gewartet werden müssen. Drittens verlange der Gesetzgeber danach, siehe Stromzähler oder Notrufmodule bei Autos. „Derzeit befinden wir uns noch in der Frühphase dieser Entwicklung. Die Einsatzpotenziale sind aber enorm und ziehen sich quer über alle Branchen", so Liebscher.

 

Mustererkennung verbessert Produkte

Neben der Automatisierung von Abläufen und der Beschleunigung der Kommunikation gehe es darum, die dahinter stehenden Abläufe zu verstehen und Muster zu erkennen, erklärte Thomas Zimmer von Hewlett-Packard. Wenn sich ein Auto im Falle eines Defekts automatisch bei der Werkstatt meldet, sei das zwar gut. Der nächste Schritt müsse aber sein, diese Daten mit ähnlichen zu vergleichen. So könnten bestimmte Fehlermuster identifiziert werden und diese Informationen wiederum zur weiteren Verbesserung des Endproduktes in die Produktentwicklung einfließen.

 

Vor allem kleine Anbieter würden sich im Bereich M2M-Kommunikation derzeit verstärkt engagieren, und das durchaus erfolgreich, sagte Christian Adelsberger von der auf F&E spezialisierten Evolaris next level GmbH. Die Entwicklung der digitalen Technologien werde in den nächsten Jahren jedenfalls stark vom „Internet of Things" bestimmt. Denn die gegenseitige Steuerung und Kontrolle durch andere Maschinen ersetze zunehmend das Paradigma der Steuerung und Kontrolle von Maschinen durch Menschen. Als Dreh- und Angelpunkt für eine Vielzahl von verbundenen Geräten in unserer Umgebung sieht er „Smart Devices" wie das Mobiltelefon oder den Tablet-PC.

 

Im Konsumentenbereich „passieren bereits jetzt sehr viele innovative Sachen", so Rainer Friedl vom Consulter Diamond:dogs. Die Öffnung der Geräte habe zu einem Schub geführt und die entstandenen Schnittstellen würden neue Lösungen ermöglichen. Bei modernen Elektronikprodukten sei „eine Infrarot-Fernbedienung schon fast anachronistisch". Was Behörden und den B2B-Bereich betreffe, gebe es noch große Herausforderungen zu meistern, „das kann Jahrzehnte dauern". Bei der Sicherheit sei ein Schulterschluss in Europa unabdingbar, „Österreich wird das allein nicht lösen können", ist Friedl überzeugt.

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