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19. Oktober 2012
Smart City: Intelligent und bürgernah, aber bitte nicht gläsern

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Technologie allein macht noch keine smarte Stadt. Vielmehr müssen Innovationen im kommunalen Bereich das tägliche Leben erleichtern und bürgernah umgesetzt werden. Gelingt das, profitiert auch der Wirtschaftsstandort. Auf welche Herausforderungen Stadtplaner, Forscher und Lösungsanbieter dabei stoßen, haben Expertinnen und Experten bei einer Veranstaltung der APA-E-Business-Community gestern, Donnerstagabend, in Wien diskutiert.

 

„Mehr als die Hälfte aller Menschen lebt bereits in Städten, Tendenz steigend: Deshalb braucht es radikale Innovation und neue Konzepte für Smart Cities", erklärte Doris Österreicher vom Austrian Institute of Technology (AIT). Eine wichtige Voraussetzung sei die Vernetzung der Stadtplanung in den Bereichen Energie, Gebäude, Mobilität und Industrie sowie eine Integration der verschiedenen Netze, also der elektrischen, thermischen und IKT-Infrastruktur.

 

Die Expertin fordert ein multisektorales Denken, „weil wir die einzelnen Industrien nicht mehr einzeln betrachten können". Die Entwicklung der Smart City dürfe aber nicht zur gläsernen Stadt führen. Entsprechenden Befürchtungen müsse mit Information begegnet werden. Beim Smart Metering - also dem Einsatz von intelligenten Stromzählern - sei beispielsweise wohl kaum interessant, wann wer das Badezimmer benutzt. Vielmehr gehe es darum die Potenziale der Lastverschiebung zu nutzen, so Österreicher.

 

Akzeptanz von Sicherheitsbedenken abhängig

„Ein relevanter Punkt ist sicher, wie wir mit Privacy umgehen", betonte auch Thomas Madreiter von der MA 18 - Stadtentwicklung und Stadtplanung. Denn oft stehe gar nicht die technische Lösung im Vordergrund, wie die Elektronische Gesundheitsakte zeige. „Beim Online-Banking gibt es Vertrauen, da wurden Standards geschaffen. Das müssen wir etwa im Bereich Energie auch erreichen", sagte Madreiter.

 

Er sieht die Smart City nicht nur als ökologisches, sondern auch als arbeitsmarkt- und technologiepolitisches Thema. „Jene Städte, die beispielsweise im Bereich CO2-Reduktion als Musterstadt gelten bzw. gute Produkte und Lösungen anbieten, werden wirtschaftlich erfolgreich sein", so der Experte. Wien verfüge - auch wegen der Innovationskraft der Unternehmen - über alle Voraussetzungen, als Smart City eine führende Rolle in Europa einzunehmen.

 

Smartes Tracking bei der Schneeräumung

Die Lösungen müssten allerdings praktisch, nah am Bürger und richtungsweisend sein. „Das heißt auch, nicht alles nach kurzem wieder zurückbauen zu müssen", ergänzte Manfred Moormann von der A1 Telekom Austria. Er ist ebenfalls der Meinung, dass smarte Städte nicht gläserne Bürger bedeuten dürften. Bei möglichen intelligenten Anwendungen verwies der Telekom-Manager auch auf weniger im Blickpunkt stehende Lösungen, etwa im Bereich Müllentsorgung oder bei der Salzreduktion im Straßendienst durch smartes Tracking bei der Schneeräumung.

 

Der Experte gibt allerdings zu bedenken, dass beim Trend zu digitalen kommunalen Angeboten nicht jeder in der Lage sei, mit der entsprechenden Technologie umzugehen. „Bei entsprechenden Schulungen ist das Zielpublikum nicht nur im Bereich 70plus zu finden, sondern auch Schulklassen, die keine oder eine mangelhafte Infrastruktur haben, melden sich da", so Moormann. Das sei ein schlechtes Zeichen für das Bildungssystem und schlecht für den Wirtschaftsstandort.

 

Kreativität der Bewohner einbinden

Probleme auf dem Weg zur Smart City würden sich aber nicht nur durch Informations- und Kommunikationstechnologie intelligent lösen lassen, erklärte Christian Kittl von der Forschungs- und Entwicklungseinrichtung Evolaris. Er verwies auf die Rolle der Architektur. Wichtig sei auch die Kreativität der Bewohner bzw. Betroffenen in Form von Open Innovation oder sogenannten „Private-Public-People-Partnerships" einzubinden, sagte Kittl.

 

„Wichtig bei der Betonung der Potenziale von IKT zur Gestaltung von Smart Cities ist auch, die negativen Effekte, die diese neuen Technologien und vernetzten Infrastrukturen mit sich bringen, nicht zu übersehen", ist er überzeugt. Auf Sicherheit, Vertrauen und Anwenderakzeptanz sei daher ein besonderes Augenmerk bei der Gestaltung der entsprechenden Systeme zu legen.

 

„Eine weitere Spur auf der Tangente"

Vor allem in den Kernbereichen Energie, Verkehr und IKT müsste angesetzt werden. „Die möglichen Änderungen sind weitläufig, vom gemeinschaftlich genutzten Elektroauto, über die intelligente Heizung bis hin zu neuen Kommunikationsmedien auf Basis Green IT", so Robert Ludwig vom Systemintegrator NextiraOne. Man könne natürlich in eine weitere Spur auf der Tangente investieren, „oder wir bieten den Menschen beispielsweise an, zum Teil von zuhause aus zu arbeiten", meint Ludwig. Dadurch verringere sich die Umweltbelastung und man spare sich gleichzeitig Energie und Nerven.

 

„Arbeiten von zuhause erfordert eigenständiges Arbeiten, aber auch das eigenständige Abschalten. Inzwischen schieben immer mehr Firmen dem zunehmenden Arbeiten in der Freizeit einen Riegel vor", sagte Stefan Mey vom Wirtschaftsblatt. Von vielen technischen Neuerungen müssten die Bürger aber erst überzeugt werden, wie das Beispiel Smart Metering zeige. Die intelligente Stadt werde nicht von heute auf morgen kommen. Vielmehr sei es ein evolutionärer Prozess, in den viele Beteiligte eingebunden werden müssten.

 

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