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EBC-Newsletter #17/2008
Licht und Schatten in der heimischen Softwarebranche
APA/Luzia Strohmayer-Nacif - Bei der APA-EBC-Veranstaltung im Wiener Haus der Musik diskutierten Experten über Chancen und Probleme der heimischen Softwarebranche (v.l.n.r.): Marcus Hebein (Moderator/APA-MultiMedia), Harald Lakatha (IT Solution), Bernd Bugelnig (Capgemini), Wilfried Seyruck (Programmierfabrik/WKO), Michael Kral (NAVAX Consulting), Ernst Lieber (ANECON) und Markus D. Hartbauer (SER Solutions Deutschland).

Neue Chancen durch die sich rasch ändernde Wirtschaftswelt, aber auch stärkere Konkurrenz aus Billiglohnländern werden der österreichischen Softwareindustrie in nächster Zeit einiges abverlangen, waren sich Experten bei einer Veranstaltung der APA-E-Business-Community in Wien einig.

 

"Die Eigenleistung der IT-Abteilungen im Bereich der Softwareentwicklung sinkt in den kommenden fünf Jahren von derzeit 32 Prozent auf 25 Prozent. Rund 75 Prozent werden dann zugekauft. Denn die Industrialisierung der Informationstechnologie hat sich in den Köpfen etabliert", erklärte Bernd Bugelnig vom Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen Capgemini.

 

Zu einem härteren Wettbewerb würde vor allem die Auslagerung in Billiglohnländer beitragen. "Die Inder warten nicht, bis wir zu ihnen kommen, sie kommen zu uns", so Bugelnig. Große IT-Dienstleister wie Wipro, Tata oder Infosys hätten ihre Fühler schon nach Europa ausgestreckt und seien inzwischen regional herangerückt. "Durch die angestrebte Kundennähe nimmt die Konkurrenz zu", gab sich der Berater überzeugt.

 

Das Auslagern der Entwicklungstätigkeiten berge aber auch Risiken. Mangelnde Softwarequalität, Termintreue und Reaktionsschnelligkeit sowie kulturelle Unterschiede und Schwierigkeiten bei der Kommunikation könnten manche Projekte ins Wanken bringen. Andererseits seien durch Outsourcing interne Umschichtungen im IT-Budget möglich, wodurch mehr Geld für Innovationen zur Verfügung stehen würde. "Aber auch in Billiglohnländern werden früher oder später die Kosten steigen, das haben wir ja auch in Osteuropa erlebt", so der Experte.

 

Fachkräftemangel in Österreich

Beim Outsourcing gehe es allerdings nicht nur um den Preis, sondern auch um die Ressourcen. "Kurzfristig ein Team von 250 Personen aufzustellen geht in Indien mit einem Fingerschnipp. In Österreich wäre das sehr schwierig", sagte Bugelnig. Außerdem würden auch Länder wie Vietnam, das mit einer sehr guten technischen Ausbildung punkten könne, Marokko, China und Mexiko schon in den Startlöchern scharren.

 

Auch Wilfried Seyruck, Geschäftsführer des oberösterreichischen Outsourcing-Anbieters Programmierfabrik und Fachgruppenobmann Unternehmensberatung und Informationstechnologie der Wirtschaftskammer Oberösterreich, sieht das Ressourcen-Problem als Herausforderung für die heimische Softwarebranche. "Rund 34 Prozent der Entwicklungsfirmen müssen durch den Mangel an Fachkräften Projekte verschieben. Die Betriebe siedeln sich aber dort an, wo es Rohstoffe gibt. Und der wichtigste 'Rohstoff' für die Entwicklung von Software ist der gut ausgebildete Mensch", erklärte Seyruck. Durch diese Entwicklung drohe eine Abwanderung von Betrieben und die Verlagerung von Kernkompetenzen ins Ausland.

 

"Auch wenn indische Fachkräfte näher an uns heranrücken, wird oft gewünscht, dass ein lokaler Anbieter das Entwicklungsprojekt steuert", relativierte Ernst Lieber vom Softwareberater Anecon. Außerdem könnten die Volkswirtschaften - etwa in Osteuropa - bald selbst Probleme bekommen, weil der Bedarf auch dort ständig zunehme. "Für unsere Projekte werden wir sie dann nicht mehr bekommen", prognostizierte Lieber. Grundsätzlich begrüße er Änderungen, da eine rasante Dynamik in allen Wirtschafts- und Lebensbereichen der Hauptimpuls für Hochkonjunktur in der Softwarebranche sei.

 

"Ressourcen werden immer kurzfristiger gebraucht. Wenn im Inland keine vorhanden sind, greifen wir auf internationale zurück", sieht Michael Kral vom Softwarespezialisten Navax Consulting die Situation eher pragmatisch. Eine weitere Möglichkeit sei die Rekrutierung junger Hochschulabgängerinnen und -abgänger. Obwohl Fachkräftemangel, Wettbewerbs- und Kostendruck auch in Österreich zunehmen würden, erlebe die Softwareindustrie einen stetigen Aufschwung. Ein Grund dafür sei, dass nach den großen Unternehmen nun auch kleine und mittelständische Betriebe an der Anpassung von Standardsoftware an die internen Prozesse interessiert wären.

 

Know-how geht verloren

Beim Outsourcing gehe zum Teil das Know-how über das eigene Produkt verloren, auch wenn sich dieser Effekt erst nach zwei bis drei Jahren einstelle, sagte Harald Lakatha, Geschäftsführer des Softwareanbieters IT Solution. "Die Auslagerung etwa nach Indien kann vernünftig sein. Aber in den wenigsten Fällen - meist bei größeren Organisationen mit entsprechenden Strukturen - bleibt den Unternehmen unterm Strich eine Einsparung übrig", so Lakatha.

 

Die Zeitdauer bis zur Nachbesetzung einer Position habe sich verdoppelt, beklagte Markus D. Hartbauer vom ECM-Spezialisten SER Solutions. Nun müsse daran gefeilt werden, das Berufsbild zu verbessern. Denn wegen der durchlässiger werdenden Arbeitsmärkte - besonders in Hinblick auf die neuen EU-Mitgliedstaaten - sei die Konkurrenz für die heimischen Arbeitnehmer gestiegen. Die Software-Industrie müsse sich von der Programm-Entwicklung zur Plattform-Entwicklung wandeln, um durch Multiplikatoren und internationales Venture Capital "am richtig großen Kuchen mitzunaschen".

Glänzende Zukunft für heimische IT-Dienstleister
APA/IDC - Finanzbranche laut Kaltenbrunner größter Investor

Der österreichische Markt für IT-Services soll bis 2012 pro Jahr um durchschnittlich sechs Prozent wachsen. Im Jahr 2007 stieg das Marktvolumen um 4,6 Prozent (gemessen in Euro) auf 3,9 Mrd. US-Dollar (2,65 Mrd. Euro), ergibt eine Studie des Marktforschers IDC Österreich. Das Umsatz-Ranking führt demnach Siemens IT Solutions and Services an, gefolgt von Raiffeisen Informatik, IBM, dem Bundesrechenzentrum und T-Systems.

 

Am meisten gebe die Finanzbranche mit einer Mrd. Dollar für IT-Dienstleistungen aus. Zweitgrößter Investor sei die Industrie (758,7 Mio. Dollar) vor dem öffentlichen Bereich (629,76 Mio. Dollar). "Die IT-Service-Firmen punkten mit hochwertigen, innovativen Angeboten und Liefermodellen, fokussieren auf Grüne IT-, Rechenzentren- und Virtualisierungsinitiativen", erklärte IDC-Analyst Rainer Kaltenbrunner. Um die Energiekosten niedrig zu halten, würden vor allem IT-Konsolidierung, Migration und Virtualisierung forciert.

 

Das größte Geschäftsfeld im Bereich der IT-Services ist den Angaben zufolge Outsourcing mit 39,6 Prozent. Dabei entfallen 19,4 Prozent auf die Geschäftssparte Information Systems Outsourcing, 13 Prozent auf Systemintegration und 11,2 Prozent auf Hardware-Support und -Installation. "Am Outsourcing-Markt liegt der Fokus der Anbieter auf hochwertigen Services und innovativen Technologien wie SOA, Web-Services und - damit verbunden - neuen Liefermodellen über SaaS, Utility Computing, BPO und Web-2.0-Plattformen", so Kaltenbrunner.

T-Mobile kooperiert mit Bezahlsystem paybox
APA/paybox austria - Bereits 20 Mio. Parkscheine via Handy gelöst

Im Herbst können mehr als vier Millionen Österreicher das Handy-Bezahlsystem paybox austria nutzen. Ab diesem Zeitpunkt arbeiten auch T-Mobile und tele.ring mit dem im Eigentum von Mobilkom Austria und One stehenden Unternehmen zusammen, heißt es in einer Aussendung. Die Beteiligten erwarten sich dadurch neue Impulse für das mobile Bezahlen (M-Payment) und eine internationale Vorbildwirkung.

 

Die privaten Vertragskunden der Mobilfunker können mit paybox ohne vorhergehende Anmeldung ihre Bestellungen im Internet, mobilen Einkäufe oder Zahlungen in Geschäften mit dem Handy begleichen. Dies stelle auch ein enormes Potenzial für den österreichischen Handel dar, weil das Mobiltelefon - nach der "Bankomatkarte" (Maestro-Karte) - hierzulande zum zweitgrößten bargeldlosen Zahlungsmittel werde.

 

Österreich gilt bei M-Payment im internationalen Vergleich als Vorreiter: Derzeit nutzen paybox zufolge mehr als 250.000 Personen das sogenannte "Handy Parken", 20 Mio. Parkscheine wurden bereits via Mobiltelefon gelöst. Weitere M-Commerce-Services sind das "ÖBB Handy Ticket" sowie Handy-Fahrscheine für öffentliche Verkehrsmittel. Im Jahr 2007 hat paybox austria laut eigenen Angaben mehr als 2,5 Mio. M-Payment-Transaktionen mit einem Volumen von mehr als 20 Mio. Euro abgewickelt. Das Unternehmen gehört zu 83,3 Prozent der Mobilkom sowie zu 16,7 Prozent One.

Österreich bei öffentlichen Info-Bildschirmen gut unterwegs
APA - Gut 5 Prozent der Außenwerbeumsätze entfallen auf "Digital Signage"

Ende 2007 waren in Österreich rund 7.000 öffentliche Info- und Werbebildschirme in Betrieb. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl liegt das Land bei den sogenannten "Digital Signage"-Anlagen europaweit an siebenter Stelle. Das zeigt eine gemeinsame Untersuchung des deutschen Beratungsunternehmens Goldmedia und des Londoner Forschungsinstituts Screen Digest.

 

Die Analysten gehen davon aus, dass sich die Umsätze mit digitaler Außenwerbung in Westeuropa bis 2012 nahezu vervierfachen werden, berichtet Goldmedia in einer Aussendung. Demnach wurden 2007 am digitalen Außenwerbemarkt Nettowerbeumsätze in der Höhe von 158 Mio. Euro verzeichnet, im Jahr 2012 sollen es 626 Mio. Euro sein.

 

Derzeit gibt es in den zehn untersuchten Märkten Österreich, Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande, Skandinavien, Spanien, Schweiz und Großbritannien rund 215.000 öffentliche Bildschirme, auf denen Werbebotschaften präsentiert werden. Der Gesamtumsatz inklusive Hardware, Werbeerlöse und Serviceleistungen beträgt rund 600 Mio. Euro.

 

Der Anteil der digitalen Außenwerbung am gesamten westeuropäischen "Out-of-Home"-Werbemarkt beträgt rund 3,1 Prozent (2007). Bis 2012 erwartet Goldmedia einen Wert von rund zehn Prozent. Österreich liegt dabei über dem Schnitt: Hierzulande werden den Angaben zufolge 5,2 Prozent der Außenwerbeumsätze durch "Digital Signage" bestritten. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Bildschirme an Verkaufsstätten, also etwa in Trafiken oder Einkaufszentren.

 

Europa hinke bei "Digital Signage" hinter Nordamerika und Asien hinterher, meinte Goldmedia-Geschäftsführer André Wiegand zu den veröffentlichten Zahlen. Die Gründe dafür sieht er nicht nur im Fehlen einer einheitlichen Reichweiten-Bewertung und in der noch geringen Abdeckung durch bestehende Screen-Netzwerke, sondern auch in der "Zurückhaltung von Mediaagenturen und Werbetreibenden gegenüber dieser neuen Werbeform".

Ziel der E-Business-Community von APA-MultiMedia, dem Partner für multimedialen Content und redaktionelles Outsourcing, ist es, im Rahmen monatlicher Treffen mit Präsentationen über Innovationen und Markttrends sowie Podiumsdiskussionen ein schlagkräftiges Netzwerk für erfolgreiches E-Business durch Erfahrungs- und Informationsaustausch zu schaffen.

 

Die Partner-Unternehmen der APA-E-Business-Community sind:

- ANECON Software Design und Beratung GmbH www.anecon.com

- Capgemini Consulting Österreich AG www.at.capgemini.com

- diamond:dogs webconsulting GmbH www.diamonddogs.cc

- DIMOCO Direct Mobile Communications GmbH www.dimoco.at

- DMVÖ Dialog Marketing Verband Österreich www.dmvoe.at

- economyaustria economyaustria.at

- Gentics Software GmbH www.gentics.com

- Hewlett-Packard www.hp.com/at

- IT Solution GmbH www.itsolution.at

- Kapsch CarrierCom AG www.kapsch.net

- Microsoft Österreich www.microsoft.com/austria

- NAVAX Consulting AG www.navax.at

- NextiraOne www.nextiraone.at

- SER Solutions Österreich GmbH www.ser.at

- Telekom Austria www.telekom.at

- WirtschaftsBlatt Verlag AG www.wirtschaftsblatt.at

- Wirtschaftskammer Österreich www.wko.at

- APA-MultiMedia multimedia.apa.at

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