|
EBC-Newsletter #7/2008
Neuer Trend zu regionalen Online-Diensten
Nachdem der vor einigen Jahren lancierte Hype um ortsbezogene Anwendungen abgeklungen ist, dürften mit geografischen Informationen verknüpfte Dienste laut Experten nun endgültig vor dem Durchbruch stehen. Einen Hinweis darauf liefert Microsoft mit seinem Online-Kartendienst Virtual Earth: "Rechtzeitig zur EURO 2008 starten wir mit einer 3D-Ansicht von Wien", erklärte Microsoft-Manager Josef Kauer bei einer Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community. Wien werde als erste Stadt Zentraleuropas dreidimensional dargestellt, weil Österreich seit der im Jahr 2006 durchgeführten Übernahme des Grazer Kartografie-Unternehmens Vexcel eine besondere Rolle im Konzern spiele, so Kauer. Nicht ganz ungelegen dürfte Microsoft aber auch die bevorstehende Fußball-Europameisterschaft kommen. "Wir stehen kurz vor dem Sprung von einer 2D- zur 3D-Welt. Dadurch entsteht eine Plattform für ortsbezogene Dienste und Angebote", gab sich der Manager überzeugt. Abgezielt wird dabei offensichtlich auf den boomenden, aber umkämpften Markt für Online-Werbung. "Wir haben zum Glück einen starken Mitbewerber, der uns auf Trab hält", sagte Kauer. Microsoft habe inzwischen viel Geld in Luftbilder und Satellitenaufnahmen investiert, sei aber auch am Boden mit Fahrzeugen unterwegs. Im Gegensatz zum Internetriesen Google, der sich mit Klagen konfrontiert sah, weil Menschen auf den Bildern erkennbar waren, setze Microsoft auf Persönlichkeitsschutz. Dazu würden die virtuellen Welten anonymisiert und Personen automatisch ausgeblendet. In Virtual Earth - dem Pendant zu Google Earth - gebe es bereits vom Flugzeug aus schräg aufgenommene Fotos. Die beispielsweise für Innsbruck, Klagenfurt oder Linz verfügbaren Aufnahmen seien aber erst eine Vorstufe zur tatsächlichen 3D-Darstellung. "Digitale Abbilder unserer Welt werden unsere Vorstellung vom Suchen und Finden im Web stark verändern", so Kauer. Komplexität für mobile Geräte reduzieren Die Voraussetzungen für eine höhere Akzeptanz durch die Nutzer und Möglichkeiten zur Positionsbestimmung seien durch mobiles Internet, GPS-fähige Handys und Kartenmaterial bereits ausreichend vorhanden, erklärte Alexander Szlezak von Gentics Software. Nun gelte es, die Komplexität der Infoangebote aus dem Internet zu reduzieren, um sie auf Handys, Navis, Laptops und PDAs zu bringen. Dadurch würden interessante Dienste wie ortsbezogenes Suchen, das Auffinden von Freunden oder Kulturführungen möglich. "Der große Treiber dieser Entwicklung ist Werbung. Und die Industrie ist groß genug, um das Thema zu pushen", erklärte Peter Hofbauer vom Spezialisten für mobile Lösungen Dimoco. Allerdings müsse man noch Überzeugungsarbeit leisten. Der kritische Faktor dabei seien personalisierte Angebote, um die Nutzer nicht zu langweilen. "Werbung am Handy, die nicht zielgerichtet ist, wird abgelehnt, weil hier kein Platz für unspezifische Information ist", so Hofbauer. In Deutschland werde mobile Werbung derzeit noch so breit gestreut wie in den Anfangszeiten der Onlinewerbung, kritisierte Rainer Friedl vom Consulter diamond:dogs. Die Infrastruktur für regionale Dienste sei aber inzwischen kein Thema mehr. Jetzt müssten benutzerfreundlichere Angebote und vernünftige Geschäftsmodelle entwickelt werden. Als positives Beispiel nannte Friedl die Schnittstellen von Google und Microsoft, die von den Programmierern inzwischen eifrig genutzt würden. Web 2.0-Anwendungen wandern auf das Handy Es habe in der Vergangenheit aber auch einige Anwendungen gegeben, "die nicht abgehoben haben", relativierte Sanja Boltek von Kapsch. Andere seien aus Datenschutzgründen erst gar nicht realisiert worden. "Jetzt veröffentlichen viele Internetnutzer sehr persönliche Informationen auf Facebook, MySpace oder YouTube", so Boltek. Heuer gehe der Trend dazu, das sogenannte Web 2.0 sowie soziale Anwendungen mobil zu machen und mit geografischen Informationen zu verknüpfen. Das Motto laute: Menschen und Inhalte mit Orten und Events zu verbinden. "Die Pläne, Content zu regionalisieren, haben praktisch alle Medien in der Schublade. Allerdings ist Geocodierung aufwendig", ergänzte Martin Schevaracz von APA-IT. Zeitungen könnten aber durch eine professionelle Lösung ihre Inhalte am Handy anbieten und damit am Werbekuchen mitnaschen. Prädestiniert dafür wären beispielsweise Kleinanzeigen oder Immobilienangebote, bei denen man die gewünschte Wohngegend definiert und dementsprechende Angebote erhält. "Da wird sich einiges tun, weil hier Geld verdient wird", sagte Schevaracz. Eine weitere Möglichkeit, durch die Verknüpfung von realen Objekten mit der virtuellen Welt zu profitieren seien Bar-Codes, die einen mobilen Internet-Link beinhalten, meinte Thomas Hinterleithner von Gavitec. Wird ein entsprechender Code an einem Restaurant angebracht, können potenzielle Gäste, die mit einem Kamerahandy ein Foto davon machen, Bewertungen und Informationen über das Lokal abrufen. "Die Software dafür wird in zwei bis drei Jahren auf jedem Mobiltelefon vorinstalliert sein", so Hinterleithner.

Mobiles Internet boomt in Österreich
Der allgemeine Trend zum Mobilfunk hat zu einem regelrechten Ansturm auf mobiles Internet geführt, geht aus einer Umfrage im Auftrag der Telekom-Regulierungsbehörde RTR hervor. "Fast ein Viertel der Haushalte mit Internetzugang verfügt heute schon ausschließlich über mobiles Breitband", so RTR-Chef Georg Serentschy. Rund 500.000 mobile Internetanschlüsse gibt es laut Behörde. Der Retter des Festnetzes sind die Unternehmen. Private Haushalte, insbesondere Personen mit geringem Einkommen, sparen sich die Festnetz-Grundgebühr hingegen immer häufiger. Mittlerweile verlassen sich bereits zwei von drei Personen bis 29 Jahre ausschließlich auf das Mobiltelefon. Nach wie vor groß ist der Unterschied der Internetnutzung bei Jung und Alt. Rund 70 Prozent der Personen bis 44 Jahre surfen im weltweiten Netz. Bei Menschen ab 60 Jahren sind es 42 Prozent, ergibt die Umfrage (Sample: 3.100 Personen). Wie groß die digitale Kluft zwischen Stadt und Land ist, wurde nicht erfragt.

Touristiker bekommen Hilfe beim Internet-Marketing
Die österreichischen Tourismusbetriebe erhalten neue Unterstützung bei ihrer Selbstvermarktung im Internet. Die Wirtschaftskammer hat mit einigen Partnern ein Projekt namens ebSemantics II gestartet, über das sich Tourismusunternehmen in Zukunft mit bestehenden oder neuen Internetseiten verknüpfen sollen. Ziel sei es, Angebote wie Events, Unterkünfte oder gastronomische Betriebe zielgruppenorientiert und mit geringerem Aufwand im Internet zu platzieren, heißt es auf der Projektseite. Das als "intelligente Lösung" beschriebene Modell soll jedem Webseiten-Betreiber die Möglichkeit bieten, automatisch und passend zum jeweiligen Inhalt Touristik-Angebote in seinen Online-Auftritt einzubinden. So könne zum Beispiel ein Mountainbike-Portal, das Streckenkarten anbietet, auf sehr einfache Weise alle geöffneten Unterkünfte, Gaststätten und saisonalen Freizeitangebote anzeigen, die auf der jeweiligen Route liegen. "Den Grundstein dazu wird das WKÖ Firmen A-Z legen", erklärte Gregor Herzog, Leiter der WKÖ-Strategie-Abteilung. Den Unternehmen werde ermöglicht, ihre Angebote mittels Online-Formular im WKÖ Firmen A-Z eintragen. Dies sei nur ein einziges Mal notwendig. Andere Internet-Seitenbetreiber können auf die Daten zugreifen, die dadurch mehrfach genutzt und veröffentlicht werden. Zurückgreifend auf die Vorteile von Semantic Web-basiertem E-Commerce sollen die Angebote heimischer Klein- und Mittelbetriebe aus der Tourismus- und Freizeitbranche für verschiedenste Suchmaschinen und Portale künftig "verständlich" und einfach zu integrieren sein, heißt es. Semantic Web bedeutet dabei, Informationen so aufzubereiten, dass sie auch von Computern interpretiert und weiterverarbeitet werden können. Das Projekt wurde von Wirtschaftskammer Österreich, Österreich Werbung, Austriapro und Smart Information Systems initiiert und wird vom Wirtschaftsministerium unterstützt.

Heimische Forscher arbeiten am Identitätsmanagement 2.0
Soziale Netzwerke wie MySpace oder StudiVZ bringen zwar viele "neue Freunde", sie speichern jedoch auch eine Reihe von persönlichen Daten ihrer Nutzer. Oft um einen hohen Preis. Denn diese lassen sich - einmal eingetragen - nur schwer aus dem globalen Netz entfernen und vom User kaum kontrollieren. Das EU-Forschungsprojekt "PrimeLife" mit österreichischer Beteiligung will hier nun Abhilfe schaffen und neue Lösungen für ein nachhaltiges Datenschutz- und Identitätsmanagement im Netz entwickeln. Dabei sollen die Anwender nicht auf die Funktionalitäten und Vorteile des Internets verzichten müssen, wie Peter Wolkerstorfer vom Center for Usability Research & Engineering (CURE) in Wien im Gespräch mit APA-ZukunftWissen erklärte. Ziel sei es, dem Nutzer die Kontrolle über seine persönlichen Daten und Profile im Internet zurückzugeben - und zwar im besten Fall ein Leben lang. "Das hat auch eine psychologische Komponente. Niemand kann sich merken, wo er überall Daten hinterlassen hat." Darüber hinaus spielt die Authentifizierung von Personen, etwa mittels eines Altersnachweises oder einer bestimmten Berufsqualifikation, eine bedeutende Rolle. Die Forscher arbeiten dabei an Möglichkeiten, diese Nachweise auch anonym erbringen zu können. "Die Herausgabe von Daten und deren Verwendung erfolgt anhand von Standardeinstellungen sowie personalisierten Datenschutzregeln für jegliche Art von Internetanwendung. Sollten persönliche Daten anderweitig verwendet werden, wird der Benutzer entsprechend gewarnt", skizziert Jan Camenisch, Projektkoordinator vom IBM Forschungslabor Zürich, den Nutzen. "PrimeLife" ist auf drei Jahre angelegt und mit 10 Millionen Euro dotiert.

Digitales Archiv der Republik startet 2009
Das digitale Langzeitarchiv der Republik Österreich könnte bereits Ende 2009 in Betrieb gehen. Die Ausschreibung für das Projekt sei für die kommenden Wochen geplant, sagte der im Bundeskanzleramt für E-Government zuständige Michael Freitter, gegenüber der APA. Als erster Schritt ist die digitale Erfassung der Bestände des Staatsarchivs geplant. Alle relevanten Akten der Ministerien sollen auf Jahrhunderte hinaus gesichert werden. Die Aktenbestände aller öffentlichen Dienststellen sollen in dem Langzeitarchiv der Republik gespeichert werden. Der Server dafür befindet sich in St. Johann im Pongau, wo der Hochsicherheits-Datenspeicher des Bundes steht. Um die Sicherheit zu erhöhen, werden die Daten allerdings auch noch in einem alten Atombunker in Wien Erdberg gespeichert. Dies sehen die strengen Kriterien für die Archivierung solcher Daten vor. Dazu kommt noch: Die zwei Speicher müssen in unterschiedlichen Erdbebengebieten liegen. Strenge Regelungen wird es geben, was die Art der Daten betrifft, die für die Ewigkeit erhalten bleiben sollen. So müssen diese auch tatsächlich für die Nachwelt von Interesse sein, immerhin handle es sich um große Mengen. Bedarf besteht in jedem Fall, man spricht derzeit von einer "Explosion der digitalen Information". Rund fünf Milliarden Dokumente werden EU-weit im Jahr produziert, allerdings sind davon nur rund 100 Millionen "aufhebenswert". Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des "Planet Consortium" (EU-Zusammenschluss unter Beteiligung mehrerer Forschungsinstitute wie ARC Seibersdorf). Ein Problem bei der Archivierung digitaler Inhalte ist der Formatdschungel. So würde man die Inhalte in unterschiedlichster Form, teilweise in längst nicht mehr gängigen Dateiformaten, erhalten. Die Lösung: ISO-standardisierte Dokumentformate. Diese können auch Jahrzehnte später von Entwicklern nachgebaut werden, erklärt Andreas Ebert von Microsoft. "Open XML" geht dabei für sein Unternehmen ins Rennen.

Ziel der E-Business-Community von APA-MultiMedia, dem Partner für multimedialen Content und redaktionelles Outsourcing, ist es, im Rahmen monatlicher Treffen mit Präsentationen über Innovationen und Markttrends sowie Podiumsdiskussionen ein schlagkräftiges Netzwerk für erfolgreiches E-Business durch Erfahrungs- und Informationsaustausch zu schaffen. Die Partner-Unternehmen der APA-E-Business-Community sind: - ANECON Software Design und Beratung GmbH www.anecon.com - Capgemini Consulting Österreich AG www.at.capgemini.com - diamond:dogs webconsulting GmbH www.diamonddogs.cc - DIMOCO Direct Mobile Communications GmbH www.dimoco.at - DMVÖ Dialog Marketing Verband Österreich www.dmvoe.at - economyaustria economyaustria.at - Gentics Software GmbH www.gentics.com - Hewlett Packard www.hp.com/at - IT Solution GmbH www.itsolution.at - Kapsch CarrierCom AG www.kapsch.net - Microsoft Österreich www.microsoft.com/austria - NAVAX Consulting AG www.navax.at - NextiraOne www.nextiraone.at - SER Solutions Österreich GmbH www.ser.at - Telekom Austria www.telekom.at - Wirtschaftskammer Österreich www.wko.at - APA-MultiMedia multimedia.apa.at
|