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EBC-Newsletter #23/2008
Tourismus 1.0 – Wer fürchtet sich vorm Internet?
APA/Andrea Berger - Bei der APA-E-Business-Community am 20. November 2008 diskutierten Expertinnen und Experten über Chancen und Stolpersteine des Internet im Tourismus (v.l.n.r.): Waltraud Wiedermann (APA-DeFacto), Markus Lassnig (Salzburg Research/e-Motion), Erwin Vacek (DIMOCO), Christian Schober (Kapsch BusinessCom), Markus Linder (Smart Information Systems), Rainer Friedl (diamond:dogs) und Michael Brunner (NextiraOne).

Die Bereitstellung von Reiseinformationen im Web oder die Möglichkeit zur Online-Buchung des Urlaubs sind inzwischen weit verbreitet. Das Tourismusland Österreich hinkt aufgrund seiner mittelständischen Struktur, dem ausgeprägten "Besitzstandsdenken" und einer im internationalen Vergleich wenig ausgebauten IT-Infrastruktur aber noch hinterher. Die Folge ist eine Zweiklassengesellschaft in der Technologieanwendung. "Da sind die fortschrittlichsten und die rückständigsten Betriebe in einer Branche versammelt", erklärte Markus Lassnig von "e-Motion" bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der APA-E-Business-Community in Wien.

 

Der Experte des von der Landesforschungsgesellschaft Salzburg Research geleiteten IKT-Kompetenzzentrums für die Tourismus-, Sport-und Freizeitindustrie sieht im Bereich E-Business vor allem während des Urlaubs, also an Ort und Stelle, eine Lücke. Dabei würden künftig Smartphones, die sich "zum Schweizer Messer der Informationsgesellschaft" entwickeln, eine große Rolle spielen. "Teilweise fehlen noch die Geschäftsmodelle und Totalverweigerer wird es immer geben, aber grundsätzlich hat das Potenzial", gab sich Lassnig überzeugt. Beispiele dafür wären das Recherchieren von Öffnungszeiten, die Suche nach Ausflugszielen oder das Zurechtfinden in der Urlaubsregion durch Navigationslösungen.

 

Online-Bereich bedroht klassische Reisevermittler

Derzeit seien die Aktivitäten vor allem auf den Vertrieb - also E-Commerce - konzentriert. Hier verlaufe die Entwicklung evolutionär, weshalb von einem konstanten Wachstum auszugehen sei. Dadurch würden natürlich auch die klassischen Reisevermittler bedroht, "das braucht man sich nicht schönreden". So gut die Branche auch auf der Vertriebsseite aufgestellt sei, gebe es doch einigen Nachholbedarf bei der IKT-Infrastruktur, den internen Geschäftsprozessen und den lieferantenseitigen Aktivitäten.

 

"Grundsätzlich geht es dem heimischen Tourismus aber noch immer ausgezeichnet. Wir sprechen ja schon bei einer Auslastung von 'nur' 85 Prozent von schlechten Zeiten", ist Lassnig überzeugt. Woran noch gearbeitet werden müsse sei die Nachbetreuung der Gäste: Es gebe in Österreich ein starkes "Besitzstandsdenken", wobei Hoteliers, Skiverleiher oder Liftbetreiber das Wissen über die Kunden nicht teilen. Hier müsse man sich vernetzen, auch wenn sich das durch datenschutzrechtliche Fragen schwierig gestalte.

 

Aktuell komme es zu einer "Informatisierung" der gesamten Wertschöpfungskette, wenn beispielsweise RFID-Chips (Funketiketten) im Ski als Diebstahlschutz verwendet werden. Die nächsten größeren Entwicklungen erwartet sich Lassnig im Bereich Ticketing. Nachdem die Mitglieder des Luftfahrtverbandes  IATA seit Juni 2008 zu 100 Prozent auf E-Tickets umgestellt hätten, gehe der Trend nun zu Web- und Mobile-Check-in sowie Boardingkarten am Handy. Weiters komme es zu Verschiebungen am Pauschalreisemarkt, "aber nicht zu dessen Tod". Wichtige Themen seien auch Online-Suchbarkeit und -Buchbarkeit sowie die neue Informationsmacht des Konsumenten - Stichwort Web 2.0.

 

Noch wenig Bewusstsein für Umgang mit Web 2.0

"Ob Hoteliers eine Webseite betreiben oder Online-Buchungen anbieten, können sie selbst entscheiden. Aber auf Bewertungsplattformen kommen sie dennoch vor", so Lassnig. "Manche fallen aus allen Wolken, wenn sie im Web kritisiert werden, sind beleidigt und reagieren dann auch ungeschickt." Hier mangle es teilweise am Bewusstsein, wie man damit umgehen muss. Andere wiederum würden diese Kanäle unglaublich professionell pflegen.

 

Viele seien durch die neuen Medien überfordert, weil klarerweise das Tagesgeschäft im Vordergrund stehe, ergänzte Rainer Friedl von der Agentur diamond:dogs. Dennoch müsse man sich damit beschäftigen. Er erwarte massive Auswirkungen durch Web 2.0, soziale Netzwerke und "User Generated Content". "Für jene Tourismusbetriebe, die ihre Märkte noch immer sehr traditionell bearbeiten, beziehungsweise noch immer nicht 100-prozentig fit für das Internet sind, brechen harte Zeiten an", so Friedl. Die Onlineportale dürften sich in den nächsten Jahren hingegen über ein deutliches Marktwachstum freuen.

 

"Dass einzelne Hoteliers jeden Tag alles durchackern, geht einfach nicht. Hier muss man sich regional zusammenschließen und gemeinsam vermarkten", sagte Waltraud Wiedermann, Geschäftsführerin von APA-DeFacto. Nur so komme es zu einer Professionalisierung der Branche. Teilweise habe man das noch nicht erkannt, aber verregnete Sommer und schneearme Winter würden dazu einen Beitrag leisten. Tourismusverantwortliche sollten sich außerdem stärker über aktuelle Trends und die mediale Aufmerksamkeit informieren: "Hat ein geplanter Kraftwerksbau Auswirkungen auf die Berichterstattung über die Region - und damit auch auf Gäste aus dem Ausland - und was hat das für Folgen für mich?"

 

Wellness und aktuelle Infos widersprechen sich nicht

Zweifel daran, dass die Zielgruppe schon so weit sei und die Chancen der neuen Technologien erkannt habe, meldete Christan Schober, Marketingleiter von der auf Kommunikationslösungen spezialisierten Kapsch BusinessCom an. Der Trend zu Wellness und Co. widerspreche nicht dem Bedürfnis, jederzeit Informationen aus dem Internet abrufen zu können, Nachrichten zu senden oder mobil zu kommunizieren. Technik im Hotel - beispielsweise "der Flatscreen im Designerschrank oder in der rustikalen Wandverkleidung" - seien inzwischen Standard. Als ideales Leit- und Informationssystem sieht Schober elektronische Displays, die tagesaktuell sämtliche Angebote im und um das Hotel anzeigen.

 

"WLAN im Hotelzimmer und Informationen zur Region einfach auf das Handy zu bekommen, sind für den Touristen von heute nichts besonderes mehr", gab sich Michael Brunner vom Systemintegrator NextiraOne Austria überzeugt. Hotellerie und Tourismusregionen seien hier gefragt, um vor Ort neue Kommunikationstechnologien zur Verfügung zu stellen und dem Gast (mobile) Services und spielerische Tools für einen abwechslungsreichen Urlaub 2.0 zu ermöglichen.

 

Die Touristiker müssten außerdem individuellere Angebote schnüren, denn die Zeit von Zielgruppen wie "Familie" oder "Senioren" sei vorbei, erklärte Markus Linder, Geschäftsführender Gesellschafter von Smart Information Systems. Gute Dienste werde dabei das Semantic Web leisten. Events, die man beispielsweise im "Firmen A-Z" der Wirtschaftskammer veröffentliche, könnten so auf eine Vielzahl von anderen Plattformen übernommen werden. Das sei einerseits sehr einfach für die Ankündiger und andererseits biete es für Tourismusbetriebe die Möglichkeit, auf ihrer Website automatisch Veranstaltungen in der Umgebung anzuzeigen.

 

Sowohl online als auch im mobilen Bereich seien zahlreiche innovative Angebote vorhanden. "Was fehlt sind vertrauensbildende Maßnahmen, die den Gästen die Scheu nehmen, diese ‘neuen Medien‘ auch zu nutzen", ergänzte Erwin Vacek vom auf mobile Dienste spezialisierten Lösungsanbieter Dimoco. Das Beispiel SMS-Lifttickets zeige, dass es viel Überzeugungskraft koste, den Gästen die Vorteile neuer mobiler Anwendungen näher zu bringen - "dann aber bleiben sie dabei". Interessanterweise würde hier nicht die Gruppe der bis 29-Jährigen zu den intensivsten Nutzern zählen, sondern die 40plus-Generation.

Heimische IT-Branche von Finanzkrise unbeeindruckt
APA/dpa - Kleinbetriebe trotzen Konjunkturflaute

"Keine besondere Sorge um die IT-Branche" macht sich derzeit Hans-Jürgen Pollirer, Obmann der Bundessparte Information und Consulting in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). "Natürlich werden uns die Auswirkungen der Finanzkrise betreffen. Aber die typischen Kleinunternehmen sind gewohnt zu kämpfen und erfüllen wichtige Nischenaufgaben", erklärte der Spartenobmann im Gespräch mit den APA-OnlineJournalen.

 

In diesem Bereich komme es voraussichtlich zu keinem Verlust von Arbeitsplätzen, der Großteil der Betriebe werde die Krise überleben. Probleme seien am ehesten bei den größeren Firmen zu erwarten. "Vor allem Unternehmen im automotiven und Finanz-Bereich sind betroffen, aber auch Partner der Industriebetriebe, die viel in die USA exportieren", so Pollirer. Mitverantwortlich für etwaige Schwierigkeiten sei auch die Politik. "Wir haben seit einem halben Jahr keine vernünftige Regierung, wodurch natürlich auch die öffentlichen Aufträge auf sich warten lassen. Das ist ja nicht mehr anzuschauen", sagte Pollirer. Er forderte erneut einen einzigen Ansprechpartner für die Branche, steuerliche Förderungen und einen leichteren Zugang zu Mikrokrediten.

 

Umsetzung der nationalen IKT-Strategie gefordert

Außerdem verlangt der WKÖ-Vertreter die Umsetzung einer nationalen IKT-Strategie, die von der Branchen-Initiative "Internetoffensive Österreich" erarbeitet worden ist und in einer "Internet-Deklaration" mündete. Zwar stehe im Vergleich zu bisherigen Vorstößen in diese Richtung - "IKT-Masterplan" und "IKT-Task Force" - "nichts Neues" in der "Deklaration", aber man müsse sie "endlich in die Hand nehmen und umsetzen". Derzeit würden die Ergebnisse unter Verschluss gehalten. "Papier und Pläne liegen vor, aber passiert ist nichts", so Pollirer.

 

Unbeeindruckt von der Finanzkrise gibt man sich auch beim Softwareriesen Microsoft. "Ich finde das manchmal ganz gut, dass solche Sachen passieren. Es ist eine Chance und man sieht auch schon, dass die Branche zusammenrückt, um zu zeigen, was sie kann", erklärte Harald Leitenmüller, Innovationssprecher von Microsoft Österreich. Hierzulande sei man in einer vergleichsweise guten Situation.

 

Microsoft legt Förderprogramm für Startups auf

Einen - nicht ganz uneigennützigen - Beitrag dazu will man mit der Förderinitiative "BizSpark" leisten. Heimischen Jungunternehmen soll unter bestimmten Voraussetzungen drei Jahre lang Software des Branchenriesen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Nach dieser Zeit muss das Startup das Programm verlassen und 100 US-Dollar (79 Euro) bezahlen. Gerade zu Beginn der Selbstständigkeit sei der finanzielle Aufwand enorm. Für einzelne Softwareprodukte würden normalerweise bis zu 40.000 Euro fällig, so Leitenmüller.

 

Außerdem sollen die Jungunternehmer von Hilfestellungen durch eine globale Experten-Community sowie Kontakten zu Venture-Capital-Gebern, privaten Investoren und Unternehmerverbänden profitieren. Die Betriebe müssen im Bereich Softwareentwicklung tätig, nicht älter als drei Jahre und in privatem Besitz sein. Außerdem darf der Umsatz nicht über einer Million US-Dollar (790.400 Euro) liegen. Im ersten Jahr geht Leitenmüller von 200 teilnehmenden Startups aus.

 

SERVICE: Weitere Informationen über das Förderprogramm sind unter http://www.microsoft.com/austria/bizsparkabrufbar.

Google siedelt sich in Oberösterreich an
APA/EPA - Rechenzentrum soll in rund zwei Jahren in Betrieb gehen

Der Internet-Suchmaschinenbetreiber Google hat sich auf der Suche nach einem neuen Standort für Oberösterreich entschieden. Unternehmenssprecher Kay Oberbeck bestätigte den Kauf eines 75 Hektar großen Grundstückes - das entspricht rund zehn Fußballfeldern - für die Errichtung eines Rechenzentrums in der Gemeinde Kronstorf im Bezirk Linz-Land.

 

Bis zur Inbetriebnahme soll es zwei Jahren dauern, noch befinde man sich in der Planungsphase. Das Investment bis zum Start bewege sich im dreistelligen Millionenbereich. Entscheidend seien letztlich die Größe des verfügbaren Grundstückes und die vorhandene Infrastruktur wie Elektrizität, Kühlwasserversorgung und Verkehrsanbindung gewesen.

"WirtschaftsBlatt" hat mobiles Portal gestartet
APA-OTS/WirtschaftsBlatt - Nachrichten und Charts für das Handy

Beim "WirtschaftsBlatt" gibt es ab sofort aktuelle Wirtschafts-News, Aktienkurse von der Wiener und Frankfurter Börse sowie den mobilen Content des "WirtschaftBlatts" für alle internetfähigen Handys. Die neue "mobile edition" wurde gemeinsam mit YOC, einem Full-Service-Anbieter für mobile Portale entwickelt, wie das Unternehmen mitteilte.

 

"Mobiles Internet und Online-Werbung werden in den nächsten Jahren die am schnellsten wachsenden Medien-Marktsegmente sein - und die Zielgruppe des 'WirtschaftsBlatt', die sogenannte 'Business-Community' zählt bereits heute zu den 'Heavy Usern' digitaler Medien", so "WirtschaftsBlatt"-Vorstandsvorsitzender Hans Gasser. Die Zeitung verfügt bereits über vier digitale Services, es sei "nur logisch" gewesen, ein mobiles Portal hinzuzufügen, sagte Gasser.

Ziel der E-Business-Community von APA-MultiMedia, dem Partner für multimedialen Content und redaktionelles Outsourcing, ist es, im Rahmen monatlicher Treffen mit Präsentationen über Innovationen und Markttrends sowie Podiumsdiskussionen ein schlagkräftiges Netzwerk für erfolgreiches E-Business durch Erfahrungs- und Informationsaustausch zu schaffen.

 

Die Partner-Unternehmen der APA-E-Business-Community sind:

- ANECON Software Design und Beratung GmbH www.anecon.com

- Capgemini Consulting Österreich AG www.at.capgemini.com

- diamond:dogs webconsulting GmbH www.diamonddogs.cc

- DIMOCO Direct Mobile Communications GmbH www.dimoco.at

- DMVÖ Dialog Marketing Verband Österreich www.dmvoe.at

- economyaustria economyaustria.at

- Gentics Software GmbH www.gentics.com

- Hewlett-Packard www.hp.com/at

- IT Solution GmbH www.itsolution.at

- Kapsch CarrierCom AG www.kapsch.net

- Microsoft Österreich www.microsoft.com/austria

- NAVAX Consulting AG www.navax.at

- NextiraOne www.nextiraone.at

- SER Solutions Österreich GmbH www.ser.at

- Telekom Austria www.telekom.at

- WirtschaftsBlatt Verlag AG www.wirtschaftsblatt.at

- Wirtschaftskammer Österreich www.wko.at

- APA-MultiMedia multimedia.apa.at

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