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EBC-Newsletter #21/2009
Elektronische Gesundheitsakte sorgt für Diskussionen
Foto: APA/Thomas Preiss - Bei einer Veranstaltung der APA-E-Business-Community diskutierten Experten - durchaus kontrovers - über das Thema Elektronische Gesundheitsakte (v.l.n.r.): Marcus Hebein (stv. Chefredakteur APA - Austria Presse Agentur, Moderator), Christian Euler (Hausärtzeverband), Manfred Rieser (Telekom Austria), Alexander Schanner (ARGE ELGA), Harald Lakatha (IT Solutions), Thomas Jäkle (Wirtschaftsblatt) und Robert Ludwig (Nextira One).

Digitale Laborbefunde, E-Medikation oder der Online-Zugriff auf Diagnosen und Krankheitsverläufe: Der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien im heimischen Gesundheitswesen ist weiter umstritten. Vom "Gebot der Stunde" bis zum "bedrohlichen Schritt" reicht dabei die Meinungspalette von Experten, die das Thema bei einer Veranstaltung der APA-E-Business-Community in Wien diskutierten.

 

Vor allem der Föderalismus und die unterschiedlichen Interessen der Beteiligten dürften für Verzögerungen sorgen. "Es ist das Gebot der Stunde, die vorhandene Technologie zu verwenden und nicht mehr lange zu diskutieren", erklärte Alexander Schanner, Programm-Manager der Arbeitsgemeinschaft Elektronische Gesundheitsakte (ARGE ELGA), die mit der Umsetzung des Projekts beauftragt ist. "Auch mir geht es zu langsam. Ich bin aber in diesem strukturellen Korsett gefangen", verwies er auf die politischen Rahmenbedingungen.

 

Es gebe ein "inhomogenes Spannungsfeld", weshalb zuerst das Misstrauen zwischen den Beteiligten abgebaut werden müsse. Fronten existierten etwa zwischen Sozialversicherung und Bund, aber auch zwischen einzelnen Ländern. "Wenn sich die Politik durchringt, die Finanzierung freizugeben", seien erste ELGA-Pilotprojekte regional allerdings bereits im kommenden Jahr umsetzbar. Entschieden werde über die Freigabe der Gelder voraussichtlich noch im November.

 

Standards statt Insellösungen

Die Konzeption und Planung erfolge gemeinsam mit Bund, Ländern und Sozialversicherungen, "weil die ja auch dafür bezahlen, und nicht durch die IT-Branche", reagierte Schanner auf entsprechende Kritik. Durch die konsequente Anwendung internationaler Standards würden Insellösungen einzelner Hersteller vermieden. Damit sei Österreich "bestens gerüstet, einen Datenaustausch im internationalen Umfeld zum Nutzen seiner Bürger, aber auch seiner Gäste, durchführen zu können".

 

IT-Anbieter würden "ihre Chance im Zuge der Umsetzung haben, wenn sie bereit sind, offene Systeme auf Basis internationaler Standards zu liefern", sagte Schanner, der "fiebrige Schübe" bei Lieferanten von proprietären - also "hauseigenen", nicht standardisierten - Lösungen ortet. Der Euphorie durch die erwarteten Umsätze sei ein böses Erwachen gefolgt, da man keinen Wildwuchs von Insellösungen wünsche.

 

Geplant sei auch ein Portal, über das die Bürger auf ihre Daten zugreifen und einsehen könnten, wer wann welche Daten abgerufen hat. Abgewickelt werden soll das über die Bürgerkarte. Diese sei allerdings "nicht wahnsinnig weit verbreitet", weshalb auch andere Technologien - etwa Handy-TANs - in Betracht kämen. "Insgesamt haben wir noch mehrere Triathlons zu absolvieren bis wir am Ziel sind", so Schanner.

 

IKT-Sektor kritisiert Verzögerungen

Kritik an der zögerlichen Umsetzung kommt auch von der IKT-Branche: "Seit dem Jahr 2005 haben wir überall brav mitgearbeitet, aber es hat sich wenig getan", erklärte Manfred Rieser von der Telekom Austria. Außerdem sei viel an Innovation verloren gegangen, weil nur große Unternehmen "die Luft dazu haben, so lange mitzumachen". Kleinere würden dadurch ausgeschlossen. Aber auch Branchengrößen könnten sich zurückziehen, "wenn der Public Partner es nicht schafft, österreichweit geltende Rahmenbedingungen und damit auch ein kalkulierbares Risikoszenario zu schaffen".

 

Es könne in einem kleinen Land wie Österreich nicht zugelassen werden, dass jedes Bundesland seine eigene E-Health-Strategie gestalte. "Wir fordern einen starken Public Partner, der zusichern kann, dass in einem Bundesland gemachte Erfahrungen nicht neunmal neu wiederholt werden müssen", so Rieser. Vielmehr sollte man die Grenzen endlich überwinden - egal ob zwischen Kärnten und Slowenien oder der Steiermark und dem Burgenland, "wobei Letzteres anscheinend schwieriger ist."

 

Datensammlung zur Bürgerüberwachung

ELGA sei im besten Fall eine Datensammlung zur Bürgerverwaltung, im wahrscheinlichsten Fall zur Bürgerüberwachung, kritisierte hingegen Christian Euler, Präsident des Österreichischen Hausärzteverbands (ÖHV). Schließlich würde der Gesetzgeber immer wieder neu definieren, welche Daten den Behörden zur Verfügung gestellt werden müssten, die sie zur Erfüllung ihrer Aufgaben benötigen.

 

Auch das beste System sei knackbar, wobei er keine Angst vor der Entblößung von Peinlichkeiten mancher Prominenter habe. "Vielmehr befürchte ich eine vollkommen legale Nutzung der Daten durch die Bürokratie", sagte Euler. Bereits jetzt werde viel elektronisch abgewickelt. "Jeder Schritt mehr ist ein bedrohlicher Schritt." Es werde "für alle Zukunft eine Datenbasis geschaffen, durch die im Laufe der Zeit die fürchterlichsten Dinge passieren können".

 

Die Basis der Reform sei das Misstrauen der Bürokraten gegenüber Ärzten und Patienten, das Ziel der Reform sei Einsparung. "Wer kann zwischen diesen Eckpunkten auf positive Ergebnisse hoffen?", fragte sich der Ärzte-Vertreter. "Durch ELGA werden Krankheiten gut verwaltet und Kranke schlecht behandelt. Da werden Daten mit Informationen und Informationen mit Kommunikation verwechselt", so Euler.

 

"Umsetzen statt diskutieren"

Differenziert bewertete Harald Lakatha, Geschäftsführer von IT Solution, die ELGA-Einführung. Einerseits verstehe er nicht, dass wegen einzelner Problemfelder gleich das ganze Projekt abgelehnt werde, andererseits stünden sich Datenschutzinteressen und die Notwendigkeit, einen Gesamtüberblick über den Patienten zu erhalten, gegenüber. Grundsätzlich sei ELGA aber ein Quantensprung, "weil ich Daten abrufen kann, ohne wissen zu müssen, wo sie liegen", strich Lakatha hervor.

 

Ein wichtiger Punkt sei die Selbstbestimmung des Patienten über seine Gesundheitsdaten. "Im Datenschutzgesetz ist das Recht jedes Individuums verankert, die über ihn gespeicherten Daten einzusehen, bei Nichtbedarf zu löschen und bei Fehlerhaftigkeit korrigieren zu lassen. Diese drei Grundsätze müssen auch im Gesundheitsbereich angewandt werden", sagte Lakatha. Um dies effektiv durchführen zu können, sei ein elektronischer Zugriff der Patienten auf die eigenen Daten erforderlich.

 

Fight Dr. Offline vs Dr. Online

"Widerstände hat es auch bei der E-Card immer wieder und von allen Seiten gegeben. Letztendlich waren die Leute, die sie benutzt haben, begeistert", ergänzte Thomas Jäkle vom WirtschaftsBlatt. Internet sowie die stärkere Vernetzung und Partizipation der Patienten seien Trends, die sich nicht aufhalten ließen. Allerdings habe die Ärzteschaft derzeit ein massives Problem mit Patienten, die sich online informieren. "Den Fight Dr. Offline vs Dr. Online fürchten die Götter in Weiß wie der Teufel das Weihwasser", so Jäkle. Der mündige Bürger fordere aber Kommunikation sowie Mit- und Ansprache.

 

Bei all diesen Themen stehe die Frage im Vordergrund, "wie diese sensiblen Daten gehandhabt werden. Wer hat Zugang, wer speichert was wo?", gab sich Robert Ludwig vom Systemintegrator NextiraOne überzeugt. Hier seien höchste Ansprüche an Datensicherheit, Verschlüsselung und Performance notwendig. "Wie bei der klassischen Medizin ist immer die richtige Diagnose der Anforderungen und die Dosierung der Medikamente der Schlüssel zur Gesundung", so Ludwig.

 

SERVICE: Fotos des Events sind hier abrufbar.

Energieversorger könnten bei Internetausbau massiv mitmischen
Foto: APA/dpa - Mittelweg zwischen unkoordiniertem Ausbau und Kartellbildung angestrebt

Die österreichische Telekom-Regulierungsbehörde RTR will, dass für den Ausbau der Glasfasernetze für Breitband-Internet auch bestehende Infrastrukturen verwendet werden dürfen. RTR-Chef Georg Serentschy sieht dabei ein "Wiedererstarken der Versorgungsunternehmen". Derzeit seien schon "intensive Gespräche" zwischen Energieunternehmen und Internetanbietern über mögliche Kooperationen im Gange.

 

Die alten Kupfernetze „sind am Ende ihrer technologischen Lebensdauer angelangt", konstatierte Serentschy vor Journalisten. In Österreich sei zwar der Glasfaserausbau in Backbone-Netzen weitgehend abgeschlossen, bei den Zugangsnetzen (Next Generation Access, NGA), also der Anbindung des Endkunden, gebe es aber noch viel zu tun. Die "ultimative Lösung" sei Fibre to the Home (FTTH), also ein Glasfaserkabel bis in die Wohnung. Festnetzbasierte Technologien wie FTTC oder Fibre to the Building (FTTB) sieht Serentschy als Ergänzung zu mobilem Breitband (UMTS, HSxPA, LTE). Bei der Glasfaserverlegung seien die Grabungen das teuerste, deswegen sollten bereits bestehende Infrastrukturen genutzt werden.

 

Immerhin erlaubten neue Anordnungen zum Wegerecht im Telekommunikationsgesetz (TKG) die Mitbenutzung vorhandener Kabelanlagen. Auch Kooperationen von Betreibern, um ein Investment zu teilen, kann sich Serentschy vorstellen. Aus einer RTR-Studie, für die 20 Branchenvertreter befragt wurden, ergaben sich drei denkbare Modelle für den beschleunigten Ausbau der breitbandigen Anschlussnetze. Erstens sei eine Kooperation von Versorgungsunternehmen und Internet Service Providern (ISP) denkbar. Heimische Versorger hätten eine gute Ausgangsposition für den Ausbau von Glasfasernetzen. Hauptsächlich gehe es dabei um die Kundenbeziehungen, Abrechnungssysteme oder Wegerechte.

 

"Eines der spannendsten Themen" ist für Serentschy der intelligente Stromzähler. Dafür sei ein paralleles Telekommunikationsnetz im Zugangsbereich notwendig. Die EVU könnten mit dem Aufbau eines Glasfasernetz also nicht nur ihren internen Bedarf decken, sondern auch neue Geschäftsfelder erschließen, indem sie beispielsweise einen Breitbandanschluss oder neue Energieverbrauchsprodukte anbieten. Die ISPs wiederum könnten, kooperierten sie mit den Versorgern, eine weitere Ebene der Wertschöpfungskette bedienen, ohne selbst groß ins Netz investieren zu müssen.

 

Modell zwei sieht vor, die Kosten für Glasfaserverkabelung bei Neu- und Umbauten zu fördern. Im Gegenzug sollten die Wohnbaugesellschaften bzw. Förderungsempfänger verpflichtet werden, einen offenen Zugang zu gewähren. Bei Wohnbauprojekten im ländlichen Gebiet sollte auch die Gemeinde miteinbezogen werden. Das Modell des Co-Investments regt die gemeinsame Netzerrichtung/-nutzung von klassischen Netzbetreibern, die es bereits im Mobilfunk gegeben habe, an. Hier würde sich ein alternativer Anbieter an den geplanten Infrastruktur-Investitionen eines Unternehmens, etwa der Telekom Austria, finanziell beteiligen und dafür zugesicherte Rechte an der NGA-Nutzung erhalten.

 

Die drei Modelle seien keine "Blaupause" und kein Modell für eine Regulierungspolitik, wird in der Studie betont. Auch für die Telekom Austria, die ein "natürliches Monopol" beim Festnetz habe, werde es keinen Regulierungsurlaub geben, so der RTR-Chef. Künftig müsse sich die Regulierung anderer Instrumente bedienen, weil es im Glasfasernetz keine Entbündelung mehr gebe. Die RTR werde mit ihren Maßnahmen also auf den Vorleistungsmarkt abzielen. Konkretes dazu will Serentschy Anfang 2010 vorlegen. Die RTR erarbeite jedenfalls gemeinsam mit den Stakeholdern einen "Kooperationskorridor", der einen Mittelweg zwischen einem unkoordinierten Ausbau und einer Kartellbildung finden soll, so Serentschy.

Virtual Identity steigt bei Knallgrau ein
Foto: Virtual Identity - Ralf Heller will "Social Media-Dienstleistungen im Full-Service anbieten"

Die vor über acht Jahren in Wien gegründete Knallgrau New Media Solutions GmbH hat mit dem deutschen Beratungsunternehmen Virtual Identity AG einen neuen Mehrheitseigentümer. Gemeinsam setze man mit knapp 100 Mitarbeitern rund zehn Mio. Euro um und sei damit Marktführer für Social Media in der DACH-Region, heißt es in einer Aussendung.

 

"Wir sind davon überzeugt, dass die heutigen Innovationsprojekte in den Sozialen Medien schrittweise in die Arbeitsroutinen und die Organisationsstrukturen von Kommunikationsverantwortlichen und Marketeers überführt werden", so Ralf Heller, Gründer und CEO der Virtual Identity AG. Mit der Beteiligung an Knallgrau ergänze man das Portfolio und könne als erste Agentur im deutschsprachigen Raum Social Media-Dienstleistungen im Full-Service anbieten.

 

Knallgrau bringe Erfahrungen im Umfeld von innovativen Social Media Marketing-Projekten ein, Virtual Identity steuere Know-how aus Beratung, Change Management und dem Roll-Out globaler Governance-Konzepte im Social Media-, Intranet- und Web-Umfeld bei. Die beiden Knallgrau-Gründer Matthias Platzer und Dieter Rappold werden die Wiener Agentur auch weiterhin leiten. Im Zuge der Beteiligung firmiert die bisherige Knallgrau New Media Solutions GmbH ab sofort unter vi knallgrau GmbH.

 

Virtual Identity erreichte im Vorjahr mit knapp 80 Mitarbeitern einen Honorarumsatz von mehr als sieben Mio. Euro. Die beiden Unternehmen haben mit Freiburg, München, Berlin und Wien nunmehr insgesamt vier Standorte in der DACH-Region. Zu den Kunden der Virtual Identity AG gehören laut den Angaben beispielsweise Siemens, die HypoVereinsbank, Lexware und Roche. Knallgrau betreut Social Media-Projekte unter anderem bei BMW, MINI, E.ON, der WAZ Mediengruppe und dem Axel Springer Verlag.

Ziel der E-Business-Community von APA-MultiMedia, dem Partner für multimedialen Content und redaktionelles Outsourcing, ist es, im Rahmen monatlicher Treffen mit Präsentationen über Innovationen und Markttrends sowie Podiumsdiskussionen ein schlagkräftiges Netzwerk für erfolgreiches E-Business durch Erfahrungs- und Informationsaustausch zu schaffen.

 

Die Partner-Unternehmen der APA-E-Business-Community sind:

- Capgemini Consulting Österreich AG www.at.capgemini.com

- CELLULAR GmbH www.cellular.at

- diamond:dogs webconsulting GmbH www.diamonddogs.cc

- economyaustria economyaustria.at

- Hewlett-Packard www.hp.com/at

- IT Solution GmbH www.itsolution.at

- Kapsch CarrierCom AG www.kapsch.net

- Microsoft Österreich www.microsoft.com/austria

- NAVAX Consulting AG www.navax.at

- NextiraOne www.nextiraone.at 

- seeyou 3.0 www.seeyou.at  

- Telekom Austria www.telekom.at

- UC4 Senactive www.senactive.com 

- WirtschaftsBlatt Verlag AG www.wirtschaftsblatt.at  

- Wirtschaftskammer Österreich www.wko.at

- APA-MultiMedia multimedia.apa.at

25. September 2014
22. August 2014
App-Entwickler und Data Scientists: Auf der Spur der IT-Jobs von morgen