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EBC-Newsletter #3/2008
IT-Branche leidet weiter unter Fachkräftemangel
Der Bedarf an spezialisierten IT-Kräften in heimischen Betrieben ist ungebrochen. Zunehmend gefragt sind "Wunderwuzzis", die außer technischem Verständnis auch Kompetenzen in den Bereichen Projektmanagement, Marketing und Vertrieb aufweisen. Neben Politik und Bildungseinrichtungen muss aber auch die Wirtschaft selbst in Qualifizierungsmaßnahmen investieren und Bewerber durch eine positive Unternehmenskultur überzeugen, waren sich Experten und Expertinnen bei einer Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community in Wien einig. "In vielen Bereichen ist der IT-Arbeitsmarkt wie leergefegt, was zu steigenden Gehältern führt", erklärte Personalberater Robert Fitzthum. Dennoch sei die Situation sehr ambivalent. Nach jahrelang steigendem Bedarf an IT-Fachkräften habe es 2007 erstmals einen Rückgang gegeben, zeige eine Auswertung von Inseraten in ausgewählten Medien. Insgesamt betrug das Minus sechs Prozent, wobei vor allem der Hype um Softwareentwickler und SAP-Spezialisten einen Dämpfer erlitt. Dies könnte ein Hinweis auf die aktuell schwierige Konjunktursituation sein, da die Personalnachfrage ein Frühindikator der Wirtschaftsentwicklung sei. Nachgefragt würden zurzeit weniger Generalisten als vielmehr Spezialisten, die außerdem Fähigkeiten im Bereich Kommunikation, Projektmanagement und Vertrieb aufweisen könnten. Ein besonderer Dorn im Auge ist dem Berater der Umgang von Firmen mit weiblichen sowie älteren Bewerberinnen und Bewerbern. "Der Anteil von Frauen in der IT-Branche geht laut Marktbeobachtern EU-weit zurück, weil die Maßnahmen nicht greifen. Und dass Ältere generell weniger Leistungsfähigkeit aufweisen, ist absoluter Schwachsinn", so Fitzthum. Als Gegenmaßnahmen zum Fachkräftemangel schlägt er höhere Investitionen in die Ausbildung, eine flexiblere Kurspolitik des Arbeitsmarktservice (AMS) und ein stärkeres Engagement der Unternehmen vor. Die Öffnung des Arbeitsmarktes für EU-Bürger am 1. Jänner 2007 habe zwar zu einer gewissen Entspannung geführt, gehe aber nicht weit genug, plädierte Fitzthum für eine weitere "(Fern-)Ost-Öffnung". Außerdem sollte Österreich eine "Green-Card-Lösung" in Betracht ziehen. "Deutschland ist grandios daran gescheitert, IT-Fachkräfte zu importieren. Das funktioniert nicht. Die Betriebe selbst müssen in die Aus- und Weiterbildung investieren", meinte hingegen Alexander Hahnefeld, Human-Resources-Manager bei Microsoft. Einfach mehr zu bezahlen als die Konkurrenz sei eine sehr kurzfristige Betrachtungsweise. "Auch bei uns sind die Bewerbungen eindeutig rückläufig, was zu gewissen Schwierigkeiten führt. Denn die Stellen müssen rasch nachbesetzt werden", sagte Hahnefeld. Allerdings würde sein Unternehmen die Mehrheit der Jobs ohnehin intern nachbesetzen. Im Vorjahr habe man mehr als 40 Prozent des neuen Personals über Mundpropaganda akquiriert. Hilfreich dabei und attraktiv für potenzielle Bewerber sei eine positive Unternehmenskultur. In dieselbe Kerbe schlug auch Christine Donner, Mitglied der Geschäftsleitung von Hewlett-Packard (HP): "Gute Leute überlegen sich mittlerweile genauer denn je, wo und in welchem Umfeld sie arbeiten wollen. Nur attraktive Arbeitgeber können diese Personen für sich gewinnen und sie auch langfristig ans Unternehmen binden", gab sich Donner überzeugt. Die nach innen gelebte und nach außen kommunizierte Unternehmenskultur stelle eine der Voraussetzungen dafür dar, neue Fachkräfte über Mundpropaganda zu finden. Stark gefragt seien derzeit Personen, die sich durch zusätzliche Fähigkeiten qualifizieren würden. "Bewerber, die ein tiefes technisches Verständnis und gleichzeitig Know-how im Vertrieb haben, sind eine rare Spezies", stimmte Wolfgang Leindecker von NextiraOne Austria zu. Grundsätzlich müsse Europa "Wissensdurst" kultivieren und letztlich als überlebensnotwendig anerkennen. "Kinder aus ärmsten Verhältnissen in Indien kaufen sich bei Straßenhändlern um ein paar Rupien gebrauchte Bücher zum Thema Java-Programmierung, theoretische Physik oder anorganische Chemie - und verschlingen diese mit einem unglaublichen Lerneifer. Auf der anderen Seite sehen wir in Österreich Nachwuchskräfte, die sich nach ihrem Fachhochschul-Studium und einem Jahr Praktikum eine Management-Position erwarten und saftige Gehaltsvorstellungen abgeben", so Leindecker. Von Fachhochschulen und Universitäten komme zwar eine gut ausgebildete Mitarbeiterschaft nach, das sei aber erst im vergangenen Jahr spürbar geworden, bemängelte Julia Kniescheck, HR-Managerin beim Softwareentwickler Anecon. Besonders Positionen, in denen eine drei-bis fünfjährige Berufserfahrung vorausgesetzt wird, könnten nur schwer besetzt werden. Schuld daran sei das verspätete Aufspringen der öffentlichen Schulungsanbieter auf den IT-Trend. "Bei dieser Zielgruppe sowie den hochqualifizierten und erfahrenen Beraterinnen und Beratern heißen die Devisen Personalbindung, verstärkte interne Aus- und Weiterbildung und/oder hohe Gehälter zahlen", so Kniescheck. Die IT-Fachleute von morgen müssten Know-how im Projektmanagement, kaufmännische Kenntnisse und kommunikative Fähigkeiten mitbringen, erwartet Albert Gebauer vom Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI) künftig eine breitere Palette an Anforderungen. Interesse an Informationstechnologie sollte daher schon viel früher geweckt und eine Karriereperspektive in der Branche aufzeigt werden. Allerdings würde von Privaten, Unternehmen und der öffentlichen Hand immer weniger Zeit und Geld in die Qualifizierung investiert. "Die Schulungen sind da, an Bereitschaft und Vertrauen fehlt es aber", bemängelte Gebauer.

Neue Personensuchmaschine gestartet
Eine vom österreichischen Jungunternehmen 123people.com entwickelte Internet-Suchmaschine will sich durch die strukturierte Darstellung von personenbezogenen Daten vom Mitbewerb abheben. Darüber hinaus würden länderspezifische Datenquellen besonders berücksichtigt, was zu einer besseren Qualität der Suchergebnisse führe, erklärte Geschäftsführer Stefan Kalteis. Derzeit konzentriere sich die Abfragemöglichkeit noch auf Österreich, die Schweiz, Deutschland und Großbritannien. Pro Monat soll künftig ein neues Land erschlossen werden und somit die Liste an Ländern für eine lokale Personenabfrage erweitern. Nach Eingabe des Namens der gesuchten Person, sind relevante Bilder, Videos, Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Informationen aus sozialen Netzwerken sowie die üblichen Weblinks und deren Quellen abrufbar. Eine zusätzliche "Tagcloud" zeigt an, welche Attribute zur Person gefunden wurden. "Jeder hinterlässt eine Datenspur im Netz. Der erste Schritt ist, wie sieht die Datenspur aus, und der zweite, wie kann ich sie beeinflussen", erklärte Kalteis. So besteht nach einer kostenlosen Registrierung die Möglichkeit, seine "eigene Visitenkarte" zu erstellen. Damit kann jeder Internet-Benutzer für sich ein eigenes Personenprofil zusammenstellen und abspeichern, nachdem die Ergebnisse aus der Suchabfrage ergänzt oder korrigiert wurden. Mittels Einstellen des "Privacy levels" gibt man auch anderen Nutzern die Möglichkeit, die Visitenkarte zu bearbeiten.

Last.fm überträgt "Geschmacksprofil" auf Videos
Das vom Österreicher Martin Stiksel mitbegründete und im Vorjahr für fast 300 Mio. Dollar (207 Mio. Euro) an den US-Medienriesen CBS verkaufte Web 2.0-Portal "Last.fm" will sein Angebot kontinuierlich ausbauen. "Ich kann mir eine Erweiterung auf Videos, Serien und Filme durchaus vorstellen", erklärte Stiksel im Gespräch mit der APA. Das bei Musik anscheinend sehr erfolgreiche Bewertungs- und Empfehlungssystem erstellt aufgrund der eigenen Liedersammlung ein persönliches "Geschmacksprofil". Es registriert, was man sich anhört und "lernt", was einem gefällt. Darauf aufbauend werden entsprechend individualisierte Radiosender, Songs und Konzerttipps angeboten. Außerdem vernetzt das Internetportal die User mit musikalisch gleich gesinnten Personen. Nun plant das Unternehmen eine Ausweitung auf zusätzliche Formate. "Wir werden unser System auch für andere Dienste nutzen und wollen die persönlichen Medienprofile weiter ausbauen", so Stiksel. Die Idee dahinter: Wer bei Musik auf der gleichen Wellenlänge liegt, hat möglicherweise auch bei Videos, Serien oder Filmen denselben Geschmack. Musik-Videos, eine Konzert- und Eventplattform sowie Blogs und Biographien sind bereits integriert worden, angedacht ist zudem eine weitere Personalisierung des Portals. "Die Musik-Videos könnten dabei eine Brücke zu anderen Inhalten darstellen", sagte der gebürtige Oberösterreicher, der die Online-Community im Jahr 2002 gemeinsam mit zwei Kollegen in London gestartet hat. Im Mai 2007 verkauften die Gründer Last.fm für 280 Millionen US-Dollar an den Medienriesen CBS. Weitere 40 Millionen sollen abhängig von der weiteren Geschäftsentwicklung gezahlt werden. Teil der Vereinbarung war, dass Felix Miller (Deutschland), Martin Stiksel (Österreich) und Richard Jones (UK) das Unternehmen weiter leiten. Kurz nach Abschluss des Deals gab Last.fm außerdem eine Kooperation mit Sony BMG Music Entertainment bekannt, durch die den Usern der komplette Song-Katalog des Major Labels zur Verfügung gestellt wurde. Zum Zeitpunkt des Verkaufs hatte Last.fm mehr als 20 Mio. Nutzer. Seitdem weise das Unternehmen monatlich zweistellige Wachstumsraten auf. "Wir sind zu einer Zeit der totalen Flaute in der Internetwirtschaft und vielen Gerichtsprozessen im Musikgeschäft gestartet", sah sich Stiksel, mit erheblichen Anlaufschwierigkeiten konfrontiert. Zeitweise habe man weder Miete noch Mitarbeiter zahlen können. "Es gab etliche Momente, wo wir kein Licht am Ende des Tunnels gesehen haben. Einmal hat uns nur eine Steuerrückzahlung gerettet", erklärte der gebürtige Oberösterreicher im APA-Gespräch. Aufgeben sei aber kein Thema gewesen. Das Unternehmen beschäftigt aktuell rund 70 Mitarbeiter und finanziert sich laut den Angaben vor allem über Online-Werbung, Musik-Downloads und Konzerttickets.

Kleinunternehmen setzen veraltete IT-Systeme ein
Klein- und Mittelbetriebe haben bei der Modernisierung ihrer EDV zur Unternehmenssteuerung großen Nachholbedarf. Die eingesetzten IT-Systeme sind im Durchschnitt acht Jahre alt, bei einem Drittel der Firmen sogar schon mehr als zehn Jahre in Betrieb. Das ergibt eine Studie, die vom Marktforscher IDC und der Technischen Universität (TU) Wien im Auftrag des IT-Lösungsanbieters Kinamu in Österreich, Deutschland und der Schweiz durchgeführt wurde. "Bei vielen Betrieben ist die EDV am Ende des Lebenszyklus angelangt und muss dringend erneuert werden. Dagegen sprechen aus Firmensicht vor allem die hohen Kosten und die Komplexität", erklärte Univ. Prof. Burkhard Kittl von der TU Wien vor Journalisten in Wien. Eine große Hürde sieht Kittl auch in der mit im Schnitt acht bis zehn Monaten sehr langen Einführungsdauer von Enterprise Resource Planning (ERP), also Systemen, durch die Geschäftsprozesse und Ressourcen im Unternehmen gesteuert werden können. Jedes zweite befragte Unternehmen setze Individuallösungen ein, wobei die Zufriedenheit gleich hoch sei wie mit Standardsoftware. Bei letzterer würden aber deutlich weniger Geschäftsprozesse am System vorbeigeschleust. Als Grund für die Einführung einer ERP-Lösung führten die Betriebe am häufigsten Konzernvorgaben an. Rund 87 Prozent haben laut Studie den Preis als Grund genannt, warum eine entsprechende Lösung bei ihnen nicht zum Einsatz kommt. Als wichtiger Kostenfaktor wird dabei der laufende Support wahrgenommen. Geld für die Modernisierung wäre laut Umfrage unter 150 Unternehmen durchaus vorhanden. Rund die Hälfte der Betriebe plant heuer und in den kommenden Jahren mehr zu investieren. Weniger als fünf Prozent wollen ihre Ausgaben für ERP-Systeme kürzen, erklärte Joachim Seidler, Leiter der österreichischen IDC-Niederlassung. Global betrachtet würde der Markt für ERP und CRM (Lösungen zum Management der Kundenbeziehungen) im Mittelstand deutlich zweistellig wachsen.

Mobiles Internet stützt Breitband-Markt in Österreich
Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Breitband-Internetanschlüsse in Österreich um 527.000 auf 2,23 Millionen kräftig gestiegen, 57 Prozent des Zuwachses entfallen aber bereits auf mobiles Internet. Die gesamte Breitband-Durchdringung liegt in der Alpenrepublik bei 27 Prozent und somit zwischen der Schweiz (33 Prozent) und Deutschland (23 Prozent), schreibt das Beratungsunternehmen Arthur D. Little in einer Analyse. Dabei zeigt sich, dass Österreich bei Breitband via Festnetzanschluss mit einer Penetration von 20 Prozent das Schlusslicht in der DACH-Region darstellt. Dies resultiere vor allem aus dem vorsichtigen Investitionsverhalten der alternativen Anbieter in Sachen Entbündelung, so Arthur D. Little. Im Vorjahr hätten die alternativen Festnetzbetreiber 105.000 und die Telekom Austria (TA) 95.000 neue Breitbandkunden dazu gewinnen können. Bei der Entwicklung von mobilem Breitband-Internet sehen die Berater Österreich im deutschsprachigen Raum führend, mit 621.000 Nutzern beträgt der Anteil am gesamten Breitband-Markt vergleichsweise hohe 28 Prozent, während die Schweiz hier gerade einmal auf sechs und Deutschland auf nur zwei Prozent kommt.

Ziel der E-Business-Community von APA-MultiMedia, dem Partner für multimedialen Content und redaktionelles Outsourcing, ist es, im Rahmen monatlicher Treffen mit Präsentationen über Innovationen und Markttrends sowie Podiumsdiskussionen ein schlagkräftiges Netzwerk für erfolgreiches E-Business durch Erfahrungs- und Informationsaustausch zu schaffen. Die Partner-Unternehmen der APA-E-Business-Community sind: - ANECON Software Design und Beratung GmbH www.anecon.com - Capgemini Consulting Österreich AG www.at.capgemini.com - diamond:dogs webconsulting GmbH www.diamonddogs.cc - DIMOCO Direct Mobile Communications GmbH www.dimoco.at - DMVÖ Dialog Marketing Verband Österreich www.dmvoe.at - economyaustria economyaustria.at - Gentics Software GmbH www.gentics.com - Hewlett Packard www.hp.com/at - IT Solution GmbH www.itsolution.at - Kapsch CarrierCom AG www.kapsch.net - Microsoft Österreich www.microsoft.com/austria - NAVAX Consulting AG www.navax.at - NextiraOne www.nextiraone.at - SER Solutions Österreich GmbH www.ser.at - Telekom Austria www.telekom.at - Wirtschaftskammer Österreich www.wko.at - APA-MultiMedia multimedia.apa.at
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