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EBC-Newsletter #5/2011
Berufswelt 2.0 setzt Mitarbeitern und Firmen zu
Foto: APA/Thomas Preiss - Im Bild v.l.n.r.: Josef Herget (Donau-Universität Krems), Peter Rass (A1 Telekom Austria), Silvia Hruska-Frank (Arbeiterkammer Wien), Thomas Stern (Braintrust/Moderator), Alexandra Moser (Microsoft Österreich), Robert Ludwig (NextiraOne) und Gerhard Laga (Wirtschaftskammer Österreich).

Die rasanten Veränderungen in der Arbeitswelt - getrieben vor allem von der Informationstechnologie - und das Verschwimmen von Berufs- und Privatleben machen eine völlig neue Unternehmenskultur notwendig. Nur so könnte die Produktivität des Einzelnen gesteigert und gleichzeitig die Arbeitszufriedenheit erhöht werden, sagten Expertinnen und Experten bei einer Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community.

 

"Alle elf Minuten werden wir durch eintrudelnde E-Mails, Telefonate oder Kollegen unterbrochen. Danach machen aber 40 Prozent der Mitarbeiter etwas anderes als zuvor, wodurch massive Produktivitätsverluste auftreten", erklärte Josef Herget, Leiter des Zentrums für Wissens- und Informationsmanagement an der Donau-Universität Krems. Die "Always on"-Mentalität nehme zu und die Krankheitstage wegen Burn-out hätten sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt.

 

"Dieser Trend scheint nicht abzunehmen. Irgendwas läuft da falsch. Wir sind produktiver geworden, aber in vielen Bereichen auf Kosten der Menschen", so Herget. Die Arbeit verfolge uns in die Freizeit. Erholungsphasen würden durchlöchert oder seien gar nicht mehr vorhanden. Die Autonomie im Büro gehe zurück, weil technische Systeme den Arbeitsablauf bestimmen und Wissens- zu Fließbandarbeitern machen würden. "Die totale Kontrolle ist - zum Beispiel im Call Center - Realität, wenn auf die Sekunde ausgewertet werden kann, wer wie viele Gespräche wie lange geführt hat", sagte der Experte.

 

Um die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu erhöhen, müsste man ihnen mehr Autonomie zugestehen - "also wann mache ich was und wie"? Außerdem gehe es um Kompetenzerweiterung durch eine Zusammenarbeit über die Abteilungsgrenzen hinaus. Dadurch könnte ein gewisser Expertenstatus erworben werden. Drittens müssten die Arbeitnehmer das Gefühl haben, etwas zu tun, was Sinn macht, meinte Herget. Dann würden neue Technologien am Arbeitsplatz sowohl die Produktivität als auch die Arbeitszufriedenheit erhöhen.

 

Nicht angeschafft, aber eingebürgert

Betriebe und Führungskräfte müssten sich dazu schleunigst etwas überlegen, sagte Silvia Hruska-Frank von der Arbeiterkammer. "Auch wenn es nicht angeschafft wurde, hat sich da viel eingebürgert. Welcher Chef hat früher am Wochenende am Festnetztelefon angerufen und ist davon ausgegangen, dass sofort abgehoben oder zumindest zurückgerufen wird?", so Hruska-Frank.

 

Die permanente Erreichbarkeit könne auch gesundheitliche Probleme mit sich bringen. Außerdem passe die finanzielle Gegenleistung zumeist nicht dazu, "dass Arbeitnehmer oft nicht einmal wissen, wann sie eigentlich Freizeit haben". Die technologische Entwicklung biete aber durchaus auch Vorteile, zum Beispiel wenn sie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Effizienz und damit die Zufriedenheit im Job verbessere.

 

"Die Unternehmen haben ja ein Interesse daran, dass die Mitarbeiter nicht ausbrennen. Die Gefahr wird aber größer", meinte Gerhard Laga von der Wirtschaftskammer Österreich. Das müssten sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer erkennen und gemeinsam Richtlinien erarbeiten, um Klarheit und Transparenz über Erwartungen und Verantwortlichkeiten zu schaffen. "Wenn neue Werkzeuge eingeführt werden, müssen auch alte wegfallen. Sonst findet eine Überforderung statt", so Laga.

 

Wie lauten die Spielregeln?

"Die Technologie haben wir. Aber der Umgang damit ist die Herausforderung. Wie lauten die Spielregeln für die Nutzung, wie funktioniert das?", fragte Alexandra Moser von Microsoft Österreich. Schließlich hätten sich die Ansprüche und die Erwartungshaltung an die Mitarbeiter und an das Büro aufgrund von verschwimmenden Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben geändert.

 

Sie sieht mehr Video- bzw. Telefonkonferenzen, gemeinsames Arbeiten an einem Dokument, auf das von überall zugegriffen werden kann, und einen anderen Managementstil auf uns zukommen. Außerdem müssten neue Arbeitnehmer-Rechte in Einklang mit der wirtschaftlichen Realität gebracht werden, dürften den Mitarbeitern aber keine Nachteile einbringen.

 

"Die große Herausforderung auf dem Weg in Richtung Enterprise 2.0 liegt nicht auf einer technischen Ebene, sondern primär auf der Ebene der Unternehmenskultur", gab sich auch Peter Rass von der A1 Telekom Austria AG überzeugt: "Man muss den Mitarbeitern Vertrauen und Wertschätzung entgegenbringen." Ziel sei, Know-how zu verknüpfen. Früher habe man versucht, Wissen aus Personen mittels Software und Datenbanken zu extrahieren. Das sei grandios gescheitert.

Der Einsatz neuer Kommunikationstechnologien ermögliche es, auch Mitarbeiter in virtuelle Teams einzubinden, die nicht am selben Ort agieren, ergänzte Robert Ludwig vom Systemintegrator NextiraOne. Wichtig sei für Mitarbeiter wie auch Führungskräfte, den Überblick und die Balance zu wahren, damit chaotische Zustände vermieden werden.

 

SERVICE:
Fotos zum Event

Impulsreferat - Josef Herget (Donau-Universität Krems)

Jeder zweite heimische Betrieb nutzt Social Media
Foto: fotodienst/Anna Rauchenberger - Gerhard Laga ortet Strategielosigkeit

Rund 48 Prozent der österreichischen Unternehmen nutzen laut einer aktuellen Studie der Wirtschaftskammer (WKÖ) soziale Medien. Das ist eine Steigerung um neun Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Facebook wird von 77 Prozent der in diesem Bereich aktiven Unternehmen verwendet, gefolgt von Xing (56 Prozent). Auf Twitter setzen 24 Prozent.

 

Gerhard Laga, Leiter des E-Centers in der WKÖ, konstatiert jedoch eine gewisse Strategielosigkeit bei den unternehmerischen Social-Media-Aktivitäten. So sehen 41 Prozent der Befragten keinen konkreten Nutzen ihres Engagements. Und: Nur 22 Prozent hätten bereits eigene Richtlinien sowie strategische Ziele zur Nutzung sozialer Medien. 36 Prozent der Unternehmen - befragt wurden Geschäftsführer, Selbstständige und IT-Verantwortliche - sehen hingegen positive Ergebnisse ihrer Tätigkeiten im Social Web, vor allem bei der Neukunden- und Neugeschäftsanbahnung.

 

Laut einer Makam-Umfrage unter 500 Geschäftsführern nutzt nur eines von fünf heimischen Unternehmen ab 25 Mitarbeitern Social Media wie Blogs, Foren oder soziale Netzwerke. Im Vergleich zur privaten Nutzung ist die Bedeutung aber noch gering. Über die Hälfte der Befragten kann in Social Media keinen unternehmensspezifischen Mehrwert erkennen.

 

Eine aktuelle Gallup-Studie kommt unterdessen zum Ergebnis, dass soziale Netzwerke in Österreich generell mehr für private (58 Prozent) als für berufliche (17 Prozent) Zwecke verwendet werden. 16 Prozent der Internetuser nutzen sie beruflich und privat. Bei der privaten Nutzung liegt YouTube vorne (85 Prozent), danach folgen Facebook (70 Prozent), MySpace (29 Prozent), StudiVZ (23 Prozent) und Twitter (23 Prozent). Für berufliche Zwecke setzt die Userschaft vor allem Xing (52 Prozent) ein. Relativ weit dahinter liegen Facebook (13 Prozent), YouTube (12 Prozent) und LinkedIn (12 Prozent).

Nachfrage nach IT-Fachkräften kräftig gestiegen
Foto: APA/dpa - Wieder deutlich mehr Job-Angebote Die Stellenangebote für IT-Fachpersonal haben 2010 im Vergleich zu 2009 um zwölf Prozent zugelegt. Insgesamt registrierte der Personalberater Robert Fitzthum im Vorjahr rund 15.600 Stellenangebote. Im vierten Quartal 2010 betrug das Plus gar 35 Prozent.

 

Treibende Kraft für den Aufschwung seien der Export und die Konsolidierung im Bankenwesen. Angesichts der dynamischen Entwicklung des Marktes und des in einigen Segmenten bereits knappen Personalangebots rechnet Fitzthum damit, dass Unternehmen schon demnächst auf ausländische Kräfte angewiesen sein werden.

 

Die Gewinner des Jahres 2010 waren Support-Fachkräfte (+24 Prozent) und Programmierer (+22 Prozent): Ihre Nachfrage wuchs deutlich stärker als die des Marktes insgesamt. "Auffallend ist die starke Performance eines kleineren Segments, das mit dieser Dynamik mithalten konnte: jenes der Netzwerktechniker mit plus 24 Prozent", teilte der Personalberater mit.

 

Dem Markt hinterher hinkte der 4-Prozent-Zuwachs für IT-Projektmanager. Weitere Rückgänge hinnehmen mussten Vertriebler (-8 Prozent), SAP-Fachkräfte (-6 Prozent) und Systembetreuer (-2 Prozent). Im Quartalsvergleich (IV/2009 zu IV/2010) fällt die zuletzt wieder angesprungene Dynamik bei den Vertrieblern auf (+61 Prozent) sowie der Push im Spezialsegment der IT-Organisatoren (+123 Prozent).

 

Die Unternehmensberater von Capgemini teilten unterdessen mit, dass die Unternehmen wieder mehr in die IT investieren, konkret plus 1,7 Prozentpunkte auf nunmehr 16,3 Prozent der Gesamtausgaben. Investiert wird vor allem in die Entwicklung neuer Software, das zeigt die IT-Trends-Studie 2011, für die Capgemini im Oktober 2010 die IT-Verantwortlichen von 173 Großunternehmen im deutschsprachigen Raum befragte.

APA-IT lädt Software-Entwickler zur "Challenge"

Zum dritten Mal hat die APA-IT einen Innovationspreis für neuartige Lösungen im Umgang mit digitalen Inhalten ausgeschrieben. Gründer, Jungunternehmer, Universitäts- und FH-Studenten sind bis 30. Juni 2011 eingeladen, ihre Konzepte einzureichen und sich für die mit zweimal 5.000 Euro dotierte Auszeichnung zu bewerben.

 

Die Projekte im Rahmen der APA-IT-Challenge können sich mit Verwaltung, Darstellung, Vernetzung oder dem Management von digitalen Inhalten beschäftigen. Beispiele sind etwa die Bereiche Social Media, Collaboration, Video, Audio, mobile Anwendungen, Datenbank-Systeme, Bilderkennung und -verwaltung, Suchtechnologien, Streaming-Media-Technologien, Content-Verteilung sowie diverse damit verwandte Themen.

 

SERVICE: Einreichungen unter www.apa-it.at/challenge

Ziel der E-Business-Community von APA-MultiMedia, dem Partner für multimedialen Content und redaktionelles Outsourcing, ist es, im Rahmen monatlicher Treffen mit Präsentationen über Innovationen und Markttrends sowie Podiumsdiskussionen ein schlagkräftiges Netzwerk für erfolgreiches E-Business durch Erfahrungs- und Informationsaustausch zu schaffen.

 

Die Partner-Unternehmen der APA-E-Business-Community sind:

- A1 Telekom Austria AG http://www.a1telekomaustria.at/

- CELLULAR GmbH http://www.cellular.at/

- CMS Reich-Rohrwig Hainz Rechtsanwälte www.cms-rrh.com

- diamond:dogs webconsulting GmbH www.diamonddogs.cc

- economyaustria economyaustria.at

- Ericsson Austria GmbH http://www.ericsson.com/

- Hewlett-Packard www.hp.com/at

- Kapsch www.kapsch.net

- Microsoft Österreich www.microsoft.com/austria

- NAVAX Consulting GmbH www.navax.at

- NextiraOne www.nextiraone.at 

- SAP Österreich GmbH http://www.sap.at/   

- WirtschaftsBlatt Verlag AG http://www.wirtschaftsblatt.at/  

- Wirtschaftskammer Österreich www.wko.at

- APA-MultiMedia multimedia.apa.at

27. November 2014
30. Oktober 2014
Maschinenzeitalter: Digitalisierung verändert nicht nur Industrie radikal