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EBC-Newsletter #9/2008
Neuer Anlauf für heimische IT- und Telekomstrategie
APA/Luzia Strohmayer - Bei der APA-E-Business-Community diskutierten: Alfred Ruzicka (BMVIT), Sabina Berloffa (Konica Minolta), Martin Bredl (Telekom Austria), Andreas Dinkel (Capgemini), Alfred Harl (Wirtschaftskammer Österreich), Engelbert Kerschbaummayr (Kapsch CarrierCom), Dieter Kittenberger (HP Österreich), Wolfgang Leindecker (NextiraOne Austria).

 

Das Ziel, Österreich unter die Top-3-Nationen im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) zu führen, hat sich nicht erst die aktuelle Regierung gesetzt. Schon im Jahr 2005 gab es einen "Masterplan" und anschließend eine "Taskforce", die das Land in diese Position bringen sollte. Bis vor kurzem hat sich allerdings nicht viel getan, konstatierten Experten bei einer Veranstaltung der APA-E-Business-Community in Wien.

 

"Der IKT-Masterplan ist kein Plan, sondern eine Sprüche- und Ideensammlung. Das können zwar großartige Ideen sein, aber die verschwinden in der Schublade, sobald eine neue Regierung gewählt wird. Wenn man eine Firma so führt, ist sie im Konkurs", erklärte Alfred Harl, Obmann des Fachverbandes Unternehmensberatung und IT (UBIT). Es seien zwar mehrere kleine Schritte - wie Masterplan, Taskforce und Internetoffensive - gesetzt worden. Neben Visionen brauche es aber auch Kompetenzen und Verantwortliche, erneuerte Harl die Forderung des Verbands nach einem eigenen IKT-Beauftragten. Im aktuellen Regierungsprogramm gebe es genau einen Absatz zum Thema IKT, "das ist zu wenig".

 

"Durch den - inzwischen laufend aktualisierten - Masterplan sind die politischen Entscheidungsträger sensibilisiert worden. Und die Taskforce hat als beratendes Gremium der Bundesregierung Mitte Februar ihre Ergebnisse vorgelegt. Allerdings sind diese nicht sofort umsetzbar", relativierte Alfred Ruzicka vom Infrastrukturministerium (BMVIT). Bundeskanzler und Vizekanzler hätten außerdem die Schirmherrschaft über die neue Branchen-Initiative "Internetoffensive Österreich" übernommen.

 

"Die Arbeiten der Taskforce werden nun in diese Wirtschaftsplattform eingebracht, wobei es eine sehr starke personelle Verschränkung zwischen den beiden Initiativen gibt", sagte der Ministeriumsvertreter. Im Herbst werde dann eine "Internet-Deklaration" als Basis für die IKT-Strategie der Bundesregierung für die nächsten Jahre vorgestellt. "Das ist dann der Startschuss für Verwaltung und Wirtschaft, Angebote sowie Dienste zu präsentieren, die Begeisterung auslösen", so Ruzicka.

 

„Papier ist geduldig, wenn nicht Begeisterung entsteht"

"Das Ministerium kann ja nicht verordnen, dass wir das Internet stärker nutzen. Papier ist geduldig, wenn nicht Begeisterung entsteht und alle mitmachen. Es gibt ausgezeichnete Ideen, gute Inhalte, aber den notwendigen Schwung haben wir noch nicht zusammengebracht", ergänzte Martin Bredl, Sprecher der Telekom Austria (TA). Das Dilemma mit der IKT-Politik in Österreich sei, dass es dem Standort auch ohne strategischer und nachhaltiger Planung "eigentlich ganz gut geht". "Wir sind auch ohne Masterplan zurechtgekommen. Das Schreien nach Förderungen und Subventionen hält sich bei uns in Grenzen", so Bredl.

 

Wichtig für die Branche und die Volkswirtschaft seien drei Faktoren: Produktion, Investitionen und Nutzung. "Bei der Produktion sind wir schwach, schließlich haben wir kein Unternehmen wie Nokia im Land. Bei den Investitionen - vor allem im KMU-Bereich - und bei der Nutzung steht uns allerdings nichts im Wege." Die Akzeptanz hänge aber stark vom Angebot ab. "Bei der BBC können 250 Programme sieben Tage nach Aussendung kostenlos per Streaming oder als Download konsumiert werden. Wo ist das ORF-Portal, das das kann?", fragte Bredl.

 

Gegen den Versuch, durch staatliche Planung und öffentliche Förderungen privatwirtschaftliche Industrien zu gestalten, sprach sich Andreas Dinkel von Capgemini Österreich aus. "Der Staat ist beispielsweise bei der Schaffung der Infrastruktur und des rechtlichen Umfeldes gefragt, aber nicht viel darüber hinaus", meinte Dinkel. Der Berater plädierte außerdem dafür, Rankings und Untersuchungen vorsichtig einzusetzen: "Auch wenn sie nötig sind, um die Zielerreichung messbar zu machen, wird dann oft nicht mehr auf das tatsächliche Ziel hingearbeitet, sondern nur noch auf gute Bewertungen."

 

Firmen-Töchter werden „zu reinen Vertriebsfilialen"

Eine "dramatische Situation" - trotz aller Offensiven und Initiativen - sieht Christian Czaak von der Technologie- & Forschungsplattform ECAustria. Bei internationalen IT-Konzernen setze sich der Trend zu Globalisierung mit Entscheidungsbündelung in den ausländischen Zentralen fort. Die österreichischen Töchter würden dabei immer mehr zu reinen Vertriebsfilialen. "Auf den weltweiten Landkarten großer Konzerne ist Österreich bestenfalls eine Stecknadel", so Czaak. Für den Standort Österreich und die heimischen Klein- und Mittelbetriebe würden sich dadurch aber auch neue Chancen bieten.

 

"Die Infrastruktur ist gut und die Nutzung steigt, aber der Standort ist bei Innovation und Entwicklung gefordert", sagte Wolfgang Leindecker von NextiraOne Austria. Skeptisch gab er sich bezüglich der "Internetoffensive Österreich": "Nach den hochtrabenden Plänen aus dem Jahr 2005 wirkt das auf mich wie eine Verkürzung von Informations- und Kommunikationstechnologie auf den Bereich Internet. Der Masterplan war da weitreichender und hat beispielsweise auch den Standort sowie die Infrastruktur berücksichtigt."

 

"Ein IT-Masterplan mit konkreten Zielen, Umsetzungsinitiativen, Finanzierungsmodellen und Zeitrahmen ist unabdingbar, damit sich Österreich international einen Spitzenplatz sichert", pflichtete Dieter Kittenberger von Hewlett-Packard (HP) Österreich bei. Die Internetoffensive sieht er hingegen positiv: "Sie soll der Turbo sein, jetzt fehlt nur noch das Benzin - also die nötigen Rahmenbedingungen." Gefragt seien breitenwirksame Initiativen und mehr Augenmerk auf IKT-Bildung und -Ausbildung.

 

"Es gibt viele Initiativen, aber das Gesamtkonzept fehlt. Das hätte schon im Jahr 2005 angegangen werden müssen", gab sich Engelbert Kerschbaummayr von Kapsch CarrierCom überzeugt. Wichtig sei außerdem, mit Forschungszentren und Industriepartnern Innovationen zu entwickeln. Dazu wäre aber eine ausreichende Unterstützung der öffentlichen Hand notwendig. Die derzeitige Patt-Situation am österreichischen Telekommarkt bedeute zudem Stillstand im Ausbau der Breitband-Infrastruktur. "Die Folge ist, dass Österreich weiter ins Hintertreffen geraten wird", so Kerschbaummayr.

IT vor Spagat zwischen Dienstleister und Partner
APA/Capgemini - Laut Josef Matulka "Weg noch nicht gefunden"  

Die IT-Abteilungen müssen sich stärker auf die strategischen Unternehmensziele ausrichten, tönt seit Jahren der Ruf nach einer stärkeren Einbindung der Informationstechnologie in die Entscheidungsprozesse. Voraussetzung dafür sind neue Organisationsformen, Mitarbeiter mit Verständnis für die geschäftlichen Anforderungen und die Etablierung neuer Sichtweisen. Zurzeit schwankt die Rolle der IT aber noch zwischen internem Dienstleister mit geringer Entscheidungskompetenz und wenig akzeptiertem Partner des Managements, ergibt eine aktuelle Studie des Beratungs- und Dienstleistungsunternehmens Capgemini.

Dass die Zukunft in der Positionierung als Geschäftspartner liegt, scheint klar zu sein: Fast 90 Prozent der knapp 100 befragten IT-Leiter von Großunternehmen aus dem deutschsprachigen Raum sind davon überzeugt. Aktuell sehen sich aber noch knapp 80 Prozent in der Rolle des IT-Dienstleisters. "Es zeichnet sich ein Spagat ab. Die Richtung ist klar, allerdings ist der Weg dorthin noch nicht gefunden", erklärte Josef Matulka, Mitglied der Geschäftsleitung bei Capgemini Österreich. Da IT-Projekte nicht immer zu Umsatzzuwächsen führen würden, müsse der Mehrwert auf eine andere Art und Weise dargestellt werden.

 

Das vom Management immer wieder geforderte wirtschaftliche Denken der IT-Leiter sei noch keine Realität, diesbezügliche Vorschläge - beispielsweise für eine technische Lösung im Vertrieb - gelten als Mangelware. Die meisten könnten, wenn die Folgen einer Reduktion des IT-Budgets eingeschätzt werden sollen, lediglich die Auswirkung auf ihre eigene Abteilung benennen, "der Effekt auf das Tagesgeschäft und die Wettbewerbsfähigkeit wird erst allmählich erkannt". Hilfreich sei ein tieferer Einblick in diese Themen, der aber die Akzeptanz des Managements voraussetze. Mehr als die Hälfte der IT-Leiter sieht ihre Abteilung dennoch als Treiber von technischen Innovationen.

 

Budgetzuwächse werde es in den nächsten fünf Jahren vor allem bei Portalen, im Kundenbeziehungsmanagement und bei mobilen Lösungen geben. Die Motivation für viele Investitionen sei die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit, unter anderem auch durch Ausgaben für Business Intelligence. Auf der aktuellen Agenda der IT-Leiter stünden jedoch andere Themen an der Spitze: "IT-Security war und bleibt das Thema Nummer eins. IT-Infrastruktur beziehungsweise IT-Servicemanagement liegt zwar an zweiter Stelle, muss sich allerdings trotz der derzeit hohen Bedeutung in den nächsten Jahren mit kleiner werdenden Budgets begnügen", so Capgemini. In diesen Bereich werde nur noch investiert, um mittel- und langfristig die Kosten zu senken.

 

 

SERVICE: Die Studie ist hier abrufbar.

Warten auf "Killer-Applikation" bei semantischem Web
APA/dpa - Geforscht wird bereits am "Web 6.0"  

Das Semantische Web - auch "Web 3.0" genannt - soll die Suche nach Informationen und die Bewältigung der Informationsflut im Internet erheblich erleichtern, versprechen die Technologieentwickler. Die Forschung in Europa ist bereits weit fortgeschritten, allerdings lässt die Kommerzialisierung semantischer Technologien noch auf sich warten.

 

Für einen großen Durchbruch brauche es eine "Killer-Applikation", meinten Experten bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der von STI International in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Computer Gesellschaft organisierten Veranstaltung "Internet of Services" in Wien. Mit Hilfe der semantischen Technologien sollen die Computer die Bedeutung von Daten erfassen können. Neben dem "intelligenteren" Reiseberater sind etwa auch schlauere Einkaufshelfer zu erwarten.

 

Anwender semantischer Technologien sind etwa die British Telecom mit einem Online-Service, der es Verkäufern erlaubt, neue Produkte schneller und effizienter zu entwickeln. Bei Boeing kommen sie bei der Designarbeit zum Einsatz, bei Adobe Photoshop zur Foto-und Illustrationsverwaltung. Auch Yahoo kündigte jüngst die semantische Suche an, wie Dieter Fensel von der Universität Innsbruck und Präsident von STI International, einer Non-Profit-Organisation im Bereich semantischer Technologien, anmerkte.

 

"In Innsbruck forschen wir an der Web-Version 6.0", so Fensel. Beim Web 2.0 sei es darum gegangen, Nutzer in die Lage zu versetzen, Provider zu sein und auch als Community zu publizieren. "Im Web 3.0 werden die Informationen maschinenlesbar, das Web 4.0 ist dann der Übergang von den Daten zu den Prozessen und Services." Das Web 5.0 stellt laut Fensel das "Future Internet" dar, hier greife das Internet in alle Bereiche des menschlichen Lebens.

 

"Wir werden in Kürze wesentlich mehr Prozessoren auf der Erde haben als Menschen. Wir werden in jedem Kleidungsstück einen kleinen Prozessor haben. Hier benötigt man die Semantik, um die Prozessoren in die Lage zu versetzen, miteinander zu reden. Ansonsten müssen wir so viel mit ihnen reden, dass wir keine Zeit haben für die zwischenmenschliche Kommunikation", prognostizierte der Informatiker. Das Web 6.0 sei die Ebene des "heuristischen Problemlösens auf dieser technologischen Infrastruktur".

Immer mehr Österreicher nutzen Online-Videos
APA/EPA - Ein Viertel der User klickt auf Nachrichten    

Rund 44 Prozent der heimischen Internetuser sehen sich regelmäßig Bewegtbilder im Web an. Zehn Prozent nutzen das Angebot täglich, jeder Fünfte klickt mehrmals wöchentlich Web-Videos an. Zu diesem Ergebnis kommt die jüngste Umfrage des Online-Marktforschers marketagent.com. Am häufigsten werden Unterhaltungs-Clips genutzt: Musik, Filme und private Videos stehen an vorderster Front.

 

Nachrichten werden von einem Viertel der Online-Seher angeklickt - und damit ebenso häufig wie Videos zum Thema Erotik. Noch ist das Phänomen überwiegend männlich: 54 Prozent der befragten Männer nutzen regelmäßig Online-Videos, bei den Frauen ist es nur ein Drittel. Stefan Bachleitner von der Wiener PR-Agentur "Skills" glaubt, dass "Männer neue Technologien früher akzeptieren als Frauen", sagte er bei einer Pressekonferenz. "Bei den Frauen ist auch der Anteil derer, denen die Qualität der Online-Videos derzeit noch zu gering ist, deutlich höher als bei Männern." Regisseur Harald Sicheritz ist überzeugt, dass sich das bald ändern wird: "Die Qualität der Internet-Videos wird sich laufend verbessern."

 

Am häufigsten werden Online-Videos auf Internetseiten wie YouTube, MyVideo und Co. genützt, gefolgt von Online-Medien. Auch die Kommunikationsbranche sowie die Wirtschaft werden an diesem neuen Trend nicht vorbeikommen, meint Bachleitner: "Wer heute im Internet wahrgenommen werden will, der muss seine Informationen auch mit Videos aufbereiten." Während zahlreiche Medienhäuser bereits Bewegtbilder anbieten, müssten nun auch die PR-Unternehmen ihre Presseaussendungen mit Video-Clips anreichern.

Neue Sonderkategorie bei Multimedia-Staatspreis
 

Agenturen, Multimediaproduzenten, Organisationen, KMU und Privatpersonen können sich noch bis 2. Juni um den „Staatspreis Multimedia & e-Business" bewerben. Gesucht werden Produkte, die Kreativität, Innovation und Qualität vereinen, heißt es in einer Aussendung des Internationalen Centrums für neue Medien (ICNM), das den Staatspreis organisiert.

 

Neben den Kategorien Kultur, Unterhaltung und Spiele; Lernen, Information und Journalismus; Tourismus, Gesundheit und Soziale Dienste; E-Commerce und Kundenbindung; E-Marketing und Unternehmenspräsentation sowie E-Government und öffentliche Dienste gibt es heuer auch die Sonderkategorie „Online Communities, Web 2.0 und Social Networks". Dabei werden Best-Practice- und Vorzeigeprojekte gesucht, die demonstrieren, welche Vorteile und Chancen interaktive Anwendungen bieten.

 

Um den Förderpreis „Talent trifft Markt" können sich vorrangig Studenten und Erstproduzenten bewerben. Mit dem Innovationspreis „Die Zukunft des digitalen Rundfunks" werden Projekte ausgezeichnet, die sich noch in der Entwicklungsphase befinden. Die Gala, bei der das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit die Staatspreise vergibt, findet am 23. September in Wien statt.

 

SERVICE: Weitere Information sind unter http://www.multimedia-staatspreis.at/ abrufbar.

Ziel der E-Business-Community von APA-MultiMedia, dem Partner für multimedialen Content und redaktionelles Outsourcing, ist es, im Rahmen monatlicher Treffen mit Präsentationen über Innovationen und Markttrends sowie Podiumsdiskussionen ein schlagkräftiges Netzwerk für erfolgreiches E-Business durch Erfahrungs- und Informationsaustausch zu schaffen.

 

Die Partner-Unternehmen der APA-E-Business-Community sind:

- ANECON Software Design und Beratung GmbH www.anecon.com

- Capgemini Consulting Österreich AG www.at.capgemini.com

- diamond:dogs webconsulting GmbH www.diamonddogs.cc

- DIMOCO Direct Mobile Communications GmbH www.dimoco.at

- DMVÖ Dialog Marketing Verband Österreich www.dmvoe.at

- economyaustria economyaustria.at

- Gentics Software GmbH www.gentics.com

- Hewlett Packard www.hp.com/at

- IT Solution GmbH www.itsolution.at

- Kapsch CarrierCom AG www.kapsch.net

- Microsoft Österreich www.microsoft.com/austria

- NAVAX Consulting AG www.navax.at

- NextiraOne www.nextiraone.at

- SER Solutions Österreich GmbH www.ser.at

- Telekom Austria www.telekom.at

- Wirtschaftskammer Österreich www.wko.at

- APA-MultiMedia multimedia.apa.at

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